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Missliebige Websites : Der saubere Name

Das Internet ist nicht nur ein Spielfeld der Subversion, sondern auch ein Großkampfgebiet von Anwälten. Das mussten Gegner des Architekten Calatrava wie Fans von Ikea-Möbeln unsanft erfahren.

          Es ist so einfach, sich online Ärger einzuhandeln – egal, ob man jemanden feiert oder der Schludrigkeit beschuldigt. Der spanische Star-Architekt Santiago Calatrava zeigt auf seiner Website strahlende Bilder des von ihm erbauten Opernhauses von Valencia und verliert natürlich kein Wort über die Baukosten, die auch ohne die aufwändige Urbanisierung der Umgebung mehr als hundert Millionen Euro über denen des Guggenheim-Museums in Bilbao lagen. Und schon gar keinen Hinweis auf die zunächst schadhafte Mosaikoberfläche des Gebäudes, die allein für schätzungsweise weitere drei Millionen Euro hatte ersetzt werden müssen.

          Eine von der örtlichen Linkspartei betriebene Seite indes nennt nicht nur bauliche Probleme in Valencia errichteter Werke Calatravas, sondern führt zudem aus, dass der Architekt Aufträge ohne Ausschreibung erhalten habe. Umgehend klagte Calatrava wegen Rufschädigung, verlangte Schadenersatz in Höhe von 600.000 Euro und die Sperrung der Seite calatravatelaclava.com, die ihre Anklage schon im Namen führt: „Calatrava knöpft es dir ab“. Lediglich der Name sei ehrverletzend, urteilte ein Gericht, die Inhalte hingegen durch das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Inzwischen haben die Betreiber die Seite unter der Adresse calatravanonoscalla.com („Calatrava bringt uns nicht zum Schweigen“) neu aufgesetzt und bitten um Spenden, um die 30.000 Euro Schadenersatz zahlen zu können, die das Gericht ihnen letztlich auferlegt hat.

          Auch der Möbelkonzern Ikea kämpft gerade gegen Seiten, die seinen Namen tragen: ikeahackers.net sammelt seit acht Jahren kreative Konstruktionen mit Teilen aus dem Programm des Möbelkonzerns. Hier finden sich die schönsten Lesehöhlen aus Billy-Regalen neben Lautsprechern oder Hockern, die sich aus Lampenschirmen bauen lassen. Mitte Juni erreichte die Betreiberin die Aufforderung der Ikea-Anwälte, die Domain abzugeben, den Namen zu ändern oder auf Werbung zu verzichten. Ähnlich ergeht es den Betreibern des Forums ikeafans.com: Auch sie müssen sich und ihre Community von knapp zweihundertfünfzigtausend registrierten Nutzern nach Jahren des Wohlwollens juristisch gegen Ikeas Übernahmewünsche verteidigen.

          In diesen beiden Fällen kämpft ein Konzern letztlich gegen seine Kunden – noch dazu gegen jenen Teil der Kundschaft, der ihm mit seinem Engagement und seiner Hingabe eigentlich am liebsten sein müsste, sich der Kontrolle des Unternehmens allerdings entzieht. Im Ikea-Fall geht es dabei nicht um die Inhalte der Websites, im Fall Calatrava darf es dem Gericht zufolge nicht darum gehen: Es sind die Domain und der Eigenname als Teil von ihr, worum gerungen wird. Was danach kommt und neuerdings danach kommen kann, weitet das Konfliktfeld im Kampf um den eigenen guten Namen allerdings noch einmal gehörig aus: Zu den Hunderten neuer Namensendungen, die von der Internetverwaltung Icann zurzeit freigegeben werden, gehören mit „.buzz“, „.sucks“ oder „.wtf“ durchaus einige, die wie geschaffen sind zur Subversion.

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