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Miriam Meckel im Gespräch : Weil wir im Jahr 2017 leben

Also eine Feministin.

Exakt.

Sind Netzwerke für Frauen wichtig?

Ich glaube überhaupt daran, dass Netzwerke wichtig sind, auch gemischte. Frauen brauchen Networking genauso wie Männer, haben aber noch Nachholbedarf.

Man hört immer wieder von einem Frauennetzwerk um Angela Merkel, Liz Mohn und Friede Springer. Gehören Sie dazu?

Nein. Ich weiß auch nicht, ob es überhaupt existiert. Ohnehin würde ich aber auch über kein Netzwerk sprechen, zu dem ich gehöre. Das ist der Sinn von Netzwerken, dass man vertraulich reden kann, weil nicht jeder weiß, wer drin ist. Nur so können dort die Dinge besprochen werden, die besprochen werden müssen. Es muss auch mal die Möglichkeit geben, in einem bestimmten Arkanraum Dinge zu diskutieren, ohne dass sie sofort öffentlich werden. Vor allem im politischen Prozess ist ein Thema sonst nämlich ganz schnell tot.

Sie waren Chefredakteurin der „Wirtschaftswoche“ und sind jetzt Herausgeberin. Mussten Sie als Frau besonders kämpfen, um dahin zu gelangen, wo Sie jetzt sind?

In den früheren Berufsjahren ja. An der Universität und in der Politik hatte ich oft das Gefühl, dass ich nicht selbstverständlich bin. Wenn das permanent der Fall ist, ist das sehr anstrengend.

Nutzen Sie Ihre Position, um sich für Frauen einzusetzen?

Ich versuche es zumindest. Wir haben ja einiges umgebaut in der „Wirtschaftswoche“. Mit einer Frauenquote von mehr als 40 Prozent sind wir für ein Wirtschaftsmagazin nicht schlecht aufgestellt, es reicht aber noch nicht. Meistens wird ja über Positionierungs- und Hierarchiefragen diskutiert. Oft ist die Kommunikationsdimension aber viel bedeutender: Man sitzt in der Redaktionskonferenz, und eine junge Kollegin macht einen Vorschlag. Keiner geht auf den Vorschlag ein. Einige Minuten später macht ein Kollege eigentlich denselben Vorschlag nochmal, und alle sagen: „Super Idee! Das machen wir!“ Darauf muss man hinweisen, um es sichtbar zu machen: Das war doch deine Idee, sag doch nochmal, wie Du es gemeint hast.

Ist die Quotendiskussion für Sie wichtig?

Quoten sind immer tückisch: Diejenigen, die Frauen nicht fördern wollen, nutzen die Quote als Argument gegen Frauen, die Führungspositionen erreichen - egal wie sie dahingekommen sind. Das ist immer ein Totschlagargument. Dazu gab es einen interessanten Moment auf dem W20-Panel. Als Nicola Leibinger-Kammüller, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Firma Trumpf, gegen Regulierung und Quoten gewettert hat, sagte die Bundeskanzlerin: „Wir haben Jahre lang gebettelt und gebeten. Die Aufsichtsräte haben sich das Gesetz selbst erarbeitet - durch Nichtstun.“

Also hat Angela Merkel auf diesem Panel gesagt, dass sie eine Befürworterin der Quote in der deutschen Wirtschaft ist?

Ursprünglich war sie es nicht, das ist ja bekannt. Aber - und das gilt vielleicht auch für Bundeskanzlerinnen: freiwillig klappt beim Thema Frauenrechte eben nix.

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