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Miriam Meckel im Gespräch : Weil wir im Jahr 2017 leben

Wenn beim „Women’s March“ in den Vereinigten Staaten einen Tag nach Trumps Amtsantritt mehr als eine Million Menschen für Frauenrechte auf die Straße geht – bewegen wir uns in genau solchen Momenten nach vorne?

Es ist ein sehr schönes Beispiel dafür, dass wir nicht auf dem Weg zurück in die fünfziger Jahre sind. In der Bewegung für Gleichberechtigung ist eine große Diversifikation zu beobachten, so wie in der gesamten Gesellschaft auch. Es gibt „Women’s Marches“ mit den Pink Heads. Es gibt intellektuelle Kreise, in denen die dogmatischere Linke noch immer meint, Feminismus sei eine nachgeordnete Problematik, denn man müsse erst mal den Hauptwiderspruch zwischen Kapital und Lohnarbeit klären, und es gibt den Netzfeminismus. Bei manchen Fragen kämpfen diese Bewegungen miteinander, was ich erst mal gar nicht schlecht finde. Es ist nur dann nicht gut, wenn es zu Ausgrenzung führt. Wenn der Kampf für Freiheit und Gleichberechtigung dogmatisch wird, also den jeweils anderen der „wahre“ Feminismus abgesprochen wird, dann ist das ein Widerspruch in sich.

Alice Schwarzer hat das mit den jüngeren Feministinnen auch oft gemacht: den Kampf um den wahren Kampf für die Frauen geführt.

Absolut. Aber es gibt diesen wahren Kampf nicht. Es gibt einen Kampf, und der kann sich unterschiedlich ausprägen und verändert sich im Verlauf der Geschichte. Das muss er auch, sonst wäre er von der Gesellschaft abgekoppelt, denn die verändert sich ja auch.

Nach den Frauenmärschen behaupteten einige weibliche Stimmen, die Frauen würden da nur mitlaufen, um Fotos auf Instagram zu posten.

Da fällt mir Madeleine Albright ein: „There is a special place in hell for women who don’t help other women.“ Diesen Satz finde ich großartig, und ich hoffe wirklich, dass es an diesem Platz in der Hölle eng wird für solche Frauen.

Wie erklären Sie es sich, dass die Frauen, die es in der Politik ganz oder weit nach oben schaffen, oft Frauen sind, die sich nicht als Feministinnen sehen, sondern konservative Frauen sind wie Angela Merkel ...

...fragen Sie mal Jens Spahn, wie konservativ Angela Merkel ist. Da wäre ich wirklich sehr gespannt, welche Antwort er gibt ...

...oder eine Brexit-Befürworterin wie Theresa May oder sogar ganz rechts Marine Le Pen?

Sind es denn wirklich vor allem solche Frauen, die es in Spitzenpositionen schaffen? Das ist vielleicht eine momentane Konstellation. Wenn man die Gleichberechtigung will, kriegt man sie ganz - im Guten wie im Schlechten. Außerdem kann man Marine Le Pen, Frauke Petry, die polnischen Ministerpräsidentin Beata Szydlo und Angela Merkel oder Theresa May ja nun wirklich nicht in einen Topf werfen. Und: Es haben ja auch Frauen wie die ehemalige dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt, Segolène Royal oder Christine Lagarde nach ganz oben geschafft.

Aber sind das Frauen, die sich als Feministinnen bezeichnet haben - oder haben sie es lieber vermieden?

Wichtig ist sicherlich, in welchem Land diese Frauen leben. Der kanadische Regierungschef Justin Trudeau ist ein Feminist und ruft alle Männer und Frauen auf, sich so zu nennen. Auf die Frage, warum er ein paritätisches Kabinett aus Frauen und Männern eingesetzt habe, sagt er: „Because it’s 2015“. Das ist in Kanada also möglich. Gerade lief im Fernsehen die Dokumentation von Reinhold Beckmann, „Frauen und die Macht“. Auf die Frage, ob sie sich als Feministin bezeichne, antwortete Julia Klöckner: „Als Feministin nicht, aber als Politikerin, der Frauenrechte wichtig sind, und als Frau, der die Gleichberechtigung wichtig ist“.

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