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Miriam Meckel im Gespräch : Es geht nicht ums Theoriegeschwafel

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Und Frauen gegen Frauen. Das will doch niemand ändern.

Aber diese Ordnung der Männlichkeit im Sport ist gefährdet von der Möglichkeit männlicher Homosexualität.

Finden Sie? Leuchtet mir nicht ein. Es geht doch darum: Was hat mein Liebesleben mit dem zu tun, was ich professionell tue. Niemand, der in meiner Vorlesung sitzt, muss wissen, mit wem ich ins Bett gehe. Niemanden geht es etwas an, was ein Sportler für sexuelle Vorlieben hat. Niemanden geht es an, mit wem die Kanzlerin ihr Bett teilt. Wir müssen Privatheit zulassen, akzeptieren, dass die Dinge, die ein Mensch in diesem privaten Raum tut, nur diesen Menschen angehen und die Personen, die davon betroffen sind.

Man könnte entgegnen: Das Volk will wissen, mit wem der Herrscher das Bett teilt. Wem er sich anvertraut, auf wen er hört, wessen Beistand er braucht. Auch der oder die Geliebte bekleidet gewissermaßen ein öffentliches Amt.

Was wissen Sie denn von Herrn Sauer?

Wenig. Er soll sehr klug sein. Ein Quantenchemiker. Er lehnt die öffentliche Rolle ab, was ich für ein Missverständnis halte.

Dann müsste es eine Kanzlerpaar-Wahl geben.

In sinnlicheren Gesellschaften ist es ja so. Wer Obama wählt, bekommt Michelle dazu. Und die Art, wie der Präsident mit seiner Frau umgeht, darf der Wähler als Modell dafür interpretieren, wie der Präsident mit seinem Volk umgeht.

Das hat doch bigotte Folgen, wenn einer sein ganzes Privatleben in den politischen Prozess hineinzieht. Ich hoffe, wir bewegen uns nicht in diese Richtung. Ich finde es unglaubwürdig, wenn sich Politiker als unfehlbare Wesen, als lebenslang treue Ehepartner inszenieren. Nein danke, möchte ich lieber nicht.

Gibt es in einer allseits toleranten oder indifferenten Gesellschaft eigentlich noch eine Chance für jene Figuren, die ihre eigene Homosexualität als Protest gegen die Norm, als Begründung auch für ein anderes Denken und Handeln genommen haben, große unversöhnte Figuren wie Michel Foucault oder Gore Vidal?

Sie glauben, Foucault wäre Schrebergärtner geworden, wenn es die Homo-Ehe für ihn gegeben hätte?

Ich stelle nur fest, dass die Figuren verschwinden, die ihre eigene Sexualität als Auftrag interpretieren, die ganze Norm kategorisch in Frage zu stellen.

Wir verweigern also den Homosexuellen die gleichen Rechte, um damit die Differenz zu retten. Großartiger Gedanke.

Es ist bescheuert, aber es ist wahr: Die heterosexuelle Mehrheit hofft, dass es jenseits der eigenen Lebenspraxis noch Refugien der Libertinage, der Promiskuität, des Exzesses geben könnte. Und projiziert diese Sehnsucht auf die Minderheit der Homosexuellen.

Man ist im eigenen Leben immer live dabei, sogar bei den Exzessen. Und es schmerzt überall gleich, wenn der Partner ständig fremdgeht.

Wie groß wäre aber der Verlust, wenn die Differenzen verschwänden? Die amerikanische Reporterin Hanna Rosin beschreibt in ihrem Buch „Das Ende der Männer“ eine amerikanische Arbeitswelt, in der die Frauen schon erfolgreicher als die Männer sind. Allerdings um den Preis, dass sie die von Männern formulierten Normen total übererfüllen.

Diese Erfahrung habe auch ich auf meinem beruflichen Lebensweg gemacht. Eine Frau kommt nach oben, aber sie muss sich oft anpassen, durchboxen. Auch in diesem Sinn bin ich für die - zeitlich begrenzte - Quote. Als Rettung der Differenz. Als eine Möglichkeit für die Frauen, Zugang zu den Führungspositionen zu bekommen und sich auf dem Weg nicht total verbiegen zu müssen. Für die meisten Führungsetagen wäre mehr Diversität ein Segen.

Sind homosexuelle Hochzeiten eigentlich lustiger?

Sie sind bunt und lebendig. Auf der letzten musste ich über Stunden einen Mann trösten, den seine Frau verlassen hatte.

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