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Militärschläge : „Wow, diese Bilder kamen per E-Mail!“

  • -Aktualisiert am

Erste Bilder - kaum analysetauglich Bild: AP

Wie gehen die Medien mit den Militärschlägen um? Die ersten Stunden nach den Angriffen zeigen: Wir haben es mit einem überanalysierten Krieg ohne Fakten zu tun. Eine Analyse.

          Nach der ersten Angriffsnacht in Afghanistan kann im Pentagon Entwarnung gegeben werden. Die Medien, vor allem CNN, kümmern sich um die Analyse und Auswertung des Krieges und nicht um das, was wirklich passiert.

          In den Fernsehstudios stehen Militäranalysten vor Videowänden, wo sonst Finanzexperten die Börsen erklären, und kämpfen mit Weltkarten, die aussehen, als wären sie in der Wetterabteilung ausgemustert worden.

          Das plakativste Bild in den ersten Stunden ist ein schwarzes Loch mit vier kleinen weißen Punkten darin. Ob das Luftabwehrfeuer ist oder Bomben auf Kabul sind, niemand weiß es. Niemand sitzt mehr auf einem Hoteldach wie noch im Golfkrieg und versucht zumindest irgend etwas zu berichten. Stattdessen senden CNN, MSNBC und BBC Interviews und Gespräche mit Militäranalysten, Terrorexperten, Islamkennern und Pentagon-Insidern, die alle sagen: "Wir sind ein friedliches Volk" und "Dies ist kein Angriff auf den Islam."

          Ein Krieg ohne Bilder. Das ist nicht schlimm. Aber ein überanalysierter Krieg ohne Fakten, das ist gefährlich.




          Die Bordinstrumente sind rot


          Erst nach neun Stunden gibt es erste Bilder von der US-Seite, von einem Kriegsschiff. Der Zuschauer sieht, wie junge Männer im Halbdunkel rote Bordinstrumente bedienen - und den Feuerschweif einer Rakete. Der CNN-Redakteur ist ganz aufgeregt, denn: "Diese Bilder haben wir per E-Mail erhalten. Als MPEG-Datei."

          So sieht die TV-Berichterstattung über den "ersten Krieg im 21. Jahrhundert" aus.

          Wenn sich alle an Absprachen halten, werden falsche Bilder zu den authentischsten. Der halbstaatliche Satellitensender "Al Dschazira", der gerne ein arabisches CNN wäre, zieht ein vor Tagen oder Wochen vorproduziertes Videoband mit einer wirren Rede Usama bin Ladins hervor und strahlt es kurz nach Beginn der Militärschläge aus, so als wäre dies die Antwort der islamischen Welt. Ein einzelner Mann ohne Ämter und Funktionen erklärt darin, Amerika sei bereits zerstört worden und ruft den Heiligen Krieg aus. Zuerst melden die Nachrichtenagenturen verblüfft: "Bin Ladins Rede an die Welt" und "Bin Ladin erklärt den Heiligen Krieg". Erschrocken über den eigenen Pathos wird danach schnell umformuliert.

          Die Medien werden eine rational-technokratische Haltung zu diesem Krieg einnehmen.






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