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Militärhistorisches Museum : Schlacht ohne Sieger

Ein Befreiungsakt, der sich auch in der Architektur widerspiegelt: Das neu gestaltete Militärhistorische Museum der Bundeswehr am Eröffnungstag Bild: Roger Hagmann

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr befindet sich seit Jahresbeginn in einer Krise. Von Verwaltungschaos und Kungeleien ist die Rede. Dabei war die Neueröffnung so vielversprechend.

          3 Min.

          Als das neu gestaltete Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden vor sechs Jahren eröffnet wurde, konnte es sich vor Bewunderern kaum retten. Die neue Dauerausstellung zur Geschichte der Gewalt und des Leidens im Krieg schlug eine Schneise durch die Waffenparks der klassischen Militärmuseen. Und der stählerne Keil, den Daniel Libeskind durch die neobarocke Fassade des ehemaligen Arsenals am Olbrichtplatz getrieben hatte, gab diesem Befreiungsakt eine architektonische Form. Dass auch das reformierte Haus einen Museumstrakt mit Schauvitrinen vom Mittelalter bis zum Kalten Krieg und ein Schaudepot mit Jeeps und Panzern hatte, fiel demgegenüber wenig ins Gewicht.

          Andreas Kilb
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Was dem MHM, wie es seitdem heißt, an aktueller Zuspitzung noch fehlte, das, so viel war klar, würden die Sonderausstellungen leisten. Und so geschah es: Projekte zu den Befreiungskriegen, zum Waffenhandel, zu den Grabenschlachten im Ersten Weltkrieg oder zu den Tatorten der NSU-Morde füllten die freien Museumsräume. Fast zwanzig zusätzliche Ausstellungen hat das MHM seit 2011 gezeigt und damit bewiesen, dass es mit dem Deutschen Historischen Museum in Berlin und dem Haus der Geschichte in Bonn annähernd auf Augenhöhe ist. Eine Viertelmillion Besucher kamen im ersten Jahr, jetzt sind es noch 170.000 – keine gewaltige, aber eine respektable Zahl angesichts des Standorts am Elbhang hoch über der Dresdner Altstadt.

          Ausstellungen auf unbestimmte Zeit verschoben

          Doch seit Anfang des Jahres steckt das MHM in der Krise. Im März wurde der Direktor Matthias Rogg vom Bundesverteidigungsministerium, dem das Museum untersteht, kurzfristig versetzt, sein Stellvertreter Gorch Pieken folgte im Juni. Eine für September angekündigte Ausstellung über „Gewalt und Geschlecht“ wurde auf April 2018 verschoben – aus „technischen und baulichen Gründen“. Eine weitere geplante Schau über die mentalitätsgeschichtlichen Folgen des Ersten Weltkriegs („Clash of Futures“) hat derzeit gar keinen Eröffnungstermin. Auf der Website des Museums werden keine Sonderausstellungen mehr annonciert. Der Betrieb läuft weiter, aber als Denk- und Bilderfabrik steht das MHM still.

          Armin Wagner, der neue Direktor, ist wie sein Vorgänger ein Neuzeithistoriker mit Offiziersrang. Er sei der Erbe der Pläne von Rogg und Pieken, sagt Wagner, und es klingt wie ein Himmelfahrtskommando. Gerüchteweise ist von Verwaltungschaos, von überzogenen Budgets und Kungeleien die Rede. Zu all dem will Wagner nichts sagen, aber die Zahlen sind klar: Der jährliche Programmetat des MHM beträgt zweieinhalb Millionen Euro. Die Ausstellung zu „Gewalt und Geschlecht“ wird laut Wagner drei Millionen, die „Clash of Futures“-Schau würde zweieinhalb Millionen Euro kosten. Das bedeutet, dass das Museum für die Ausstellungen eines einzigen Jahres mehr als das Doppelte seines Budgets ausgeben wollte. Aus Wagners Sicht hat die Bundeswehr die Notbremse gezogen, bevor das Haus finanziell an die Wand fuhr.

          Bundeswehr bildet keine Museologen aus

          Hinter den Kulissen wird gemunkelt, der neue Direktor wolle das Museum wieder auf Traditionskurs bringen. Das sei „zu keinem Zeitpunkt“ geplant, erklärt Wagner. Seine erste Aufgabe sei es, sich um die zweihundert Mitarbeiter des Hauses zu kümmern. Danach stehen die Umgestaltung der Außenstelle in Berlin-Gatow und die Neueröffnung des Zeughauses auf der sächsischen Feste Königstein an. Die technischen Probleme des Projekts „Gewalt und Geschlecht“ seien gelöst. Zu „Clash of Futures“ wird es immerhin einen Essayband geben. Ob auch eine Ausstellung stattfindet, ist fraglich.

          Aus dem Fachbeirat der Bundeswehrmuseen schlägt Wagner Störfeuer entgegen. Offenbar hat das frühere Leitungsduo mit den dortigen Wissenschaftlern besser zusammengearbeitet als mit seinen eigenen Vorgesetzten und Untergebenen. Jetzt rächt es sich, dass die Bundeswehr an ihren Universitäten zwar Historiker, aber keine Museologen ausbildet. Ihre Experten haben keine Erfahrung mit der Führung großer Museen. Der Sparkurs, den Armin Wagner nun dem MHM verordnet, ist nur die Kehrseite der luxurierenden Planungen, die Rogg und Pieken betrieben haben. Für den Bestand und die Wirkung des Dresdner Museums sind beide Strategien am Ende fatal.

          Die Bundeswehr muss sich jetzt überlegen, ob sie ihr wichtigstes Schaufenster in die Außenwelt dauerhaft geöffnet lassen will oder nicht. Denn nichts anderes ist das MHM mit seinen Dauer- und Sonderausstellungen: ein sichtbares Zeugnis für die Intelligenz des militärischen Apparats, der dahintersteht. Ein Etat von zweieinhalb Millionen ist für ein Museum dieser Größe nicht mehr als eine Notration. Das Deutsche Historische Museum in Berlin kann zwölf Millionen Euro im Jahr für seine Projekte ausgeben. Die Hälfte dieser Summe würde aus dem MHM wieder ein handlungsfähiges Haus machen. Absagen und Verschiebungen sind keine Lösung. Sie ebnen nur den Weg in die Zweitklassigkeit.

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