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Fridtjof Küchemann, Redakteur im Feuilleton

Miley und Edward : Snowdens Lied

Mit aller Macht auf dem Weg zur „Person des Jahres“: Miley Cyrus - hier bei ganz harter Abrissarbeit im Video zu „Wrecking Ball“ Bild: picture alliance / Photoshot

Die Leser des „Time“-Magazins lassen erstaunlich viel Abstand zwischen Miley Cyrus und Edward Snowden - dabei sind sich beide doch so nah.

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          Natürlich tut man Miley Cyrus unrecht, wenn man sie für einen ehemaligen Kinderstar hält, der, wie einige zuvor, aus der Rolle des unbekümmerten Sonnenscheins herausgewachsen und fürs Erste beherzt in der Laszivität gelandet ist. Und der vom honorigen „Time“-Magazin alljährlich redaktionell getroffenen Wahl einer „Person des Jahres“ tut man unrecht, wenn man ihren Ausgang aus dem Stimmungsbild ableiten wollte, das die Leser des Magazins, das sogar alle, die auf die entsprechende Seite stoßen, mit ihrer offenen Wahl einer solchen „Person des Jahres“ abgeben. Immerhin ist nicht nur Staatenlenkern wie Obama, Putin und Bush diese Ehre einst zuteil geworden, sondern auch dem namenlosen Demonstranten (2011), dem amerikanischen Soldaten (2003) und dem Computer (1982).

          Wer allerdings glaubt, in diesem Jahr, in dem uns jedes Detail, das über geheimdienstliche Überwachungspraktiken öffentlich wird, neuerlich den Atem raubt, könne die Wahl nur auf einen fallen, wird beim Blick auf die Leserwahl eines Besseren belehrt: Wenige Tage vor Ende der Umfrage liegt Edward Snowden in der Lesergunst lediglich auf dem fünften Platz, mit deutlichem Abstand zu dem ägyptischen Armeechef al Sisi, dem indischen Hindu-Nationalisten Modi und dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan.

          Ihre Stimme und sein Text

          Mit abermals großem Abstand vor den vier genannten Herren: Miley Cyrus. Es mag daran liegen, dass die netzagilen Fans der jungen Dame einander über die sozialen Dienste zur Teilnahme an dieser Wahl aufrufen. Doch ein genauerer Blick auf die Themen, mit denen sich die gerade einmal 21 Jahre alte Sängerin befasst, lässt vermuten, dass es noch andere Gründe für dieses Wahlverhalten geben könnte.

          Denn nur auf den ersten Blick handelt ihr viel gehörtes Lied „Wrecking Ball“ von den Ruinen einer jungen Liebe. Eigentlich geht es um viel mehr: Sie könne „eine Lüge nicht leben“, singt Miley Cyrus; alles, was sie gewollt habe, sei Wände aufzubrechen; ihr sei es nie darum gegangen, einen Krieg anzufangen. Das gilt vielleicht nicht für die drei Männer, die zwischen der Sängerin und Snowden liegen. Der aber könnte diese Zeilen bestimmt aus tiefstem Herzen mitsingen.

          Fridtjof Küchemann
          Redakteur im Feuilleton.

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