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Kardashian in Marilyns Kleid : Zu groß für sie

  • -Aktualisiert am

Teurer geht Second Hand nicht: Kim Kardashian erblondet in Marilyns Kleid. Bild: dpa

Kim Kardashian trägt auf der Met-Gala das Kleid, in dem Marilyn Monroe „Happy Birthday, Mr. President“ sang. Kostümkonservatoren sind entsetzt. Aber was lehrt uns der ganze Wirbel wirklich?

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          Wer wollte nicht schon alles Marilyn Monroe sein, so scheinbar schwerelos ge­hüllt in Glamour und Sex-Appeal wie Hollywoods sinnlichste Leinwandgöttin? Von Jane Mansfield über Madonna bis Lindsay Lohan; von Anna Nicole-Smith über Paris Hilton bis zu Rihanna ist die Zahl der Monroe-Nachahmerinnen unter Stars und Sternchen Legion. Der Look scheint aber auch allzu leicht imitierbar, um nicht aus Anverwandlung Kapital zu schlagen. Doch Platinblond, Lippenrot und Sanduhrfigur machen noch keine Marilyn.

          Nicht einmal eine Berührungsreliquie der in den Olymp der Popkultur Entrückten vermag ihren einmaligen Divenzauber zu übertragen. Der glitzernde Hauch von Nichts aus Strasssteinchen bestickter hautenger Gaze: atemberaubend, als Marilyn darin 1962 „Happy birthday, Mister President“ hauchte; Schnappatmung verursachend, als Kim Kardashian damit bekleidet nun bei der Met-Gala auflief. Die Königin gegenwärtigen Selbstdarsteller-Unternehmertums hatte es geschafft, das von Jean Louis entworfene Kleid der Monroe aus dem Believe It or Not Museum in Orlando auszuleihen, das es 2016 für gut 4,8 Millionen Dollar brutto bei Julien’s Auctions in Los Angeles ersteigert hatte – als teuerstes je auktioniertes Kleid einer Privatperson. Das passt zum Thema der Met-Gala, die mit „Gilded Glamour“ den Selfmade-Vergoldern früherer Zeiten huldigte.

          Ankündigung einer Rekordversteigerung: Bei Juliens’ Auctions kam das Kleid 2016 unter den Hammer.
          Ankündigung einer Rekordversteigerung: Bei Juliens’ Auctions kam das Kleid 2016 unter den Hammer. : Bild: AP

          Für amerikanische Textilkonservatorinnen wie Sarah Scaturro vom Cleveland Museum of Art, die zuvor das Costume Institute am Metropolitan geleitet hat, geht es aber um mehr als Geld. Scaturro empört sich mit einer Kollegin in der „Los Angeles Times“ darüber, dass ausgerechnet auf der Spendengala für die Kostümabteilung des Metropolitan Museum eine eherne Regeln musealen Sammelns gebrochen wurde: Historische Kleidungsstücke, die als kulturell für die Nachwelt bewahrt werden, werden nicht mehr getragen.

          Was hilft es, dass Kim Kardashian sich binnen dreier Wochen um sieben Kilo heruntergehungert haben soll – was ihr Kritik von Gesundheitsaposteln einbrachte –, um sich vor der Gala in die berühmte Robe nähen lassen zu können? Und dass sie nach dem Fototermin zum Empfang in eine Replik wechselte?

          Wem stand’s besser? Marilyn Monroe 1962 nach dem gehauchten Geburtstagsständchen.
          Wem stand’s besser? Marilyn Monroe 1962 nach dem gehauchten Geburtstagsständchen. : Bild: AP

          Das schlechte Vorbild könnte Schule machen. Nach sechs Jahrzehnten ist das zarte Gewebe des Originals entschieden fragiler als die von der Zweitträgerin vermarktete figurformende Unterwäsche. Verblüffend nur, dass es an dem Reality-Star eher nach Letzterer aussah als nach Kostüm- und Kulturgeschichte. Immerhin verzichtete Kardashian auf Marilyns Locken, doch auch von deren verletzlicher Erotik keine Spur, stattdessen statuarische Trophäenpräsentation. Merke: Kleider machen Leute – aber keine Legenden.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

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