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Mercedes : Wer A absagt

  • -Aktualisiert am

Läuft bald nicht mehr vom Band: die Mercedes A-Klasse Bild: dpa

Prima Klima? Von wegen. Mercedes schafft die A- und die B-Klasse ab und setzt noch mehr auf SUVs.

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          Was kann die Autobranche tun, um den Klimawandel zu bremsen? Zum Beispiel kleinere, leichtere, sparsamere Autos bauen. Sich stattdessen auf den Bau von schweren Luxuslimousinen und SUVs zu konzentrieren, klingt nach einem eher seltsamen Rezept.

          Mercedes will genau das tun: Der Hersteller schafft das kleine Auto ab. Die A-Klasse und die B-Klasse sollen laut „Handelsblatt“ wegfallen; man mache mit ihnen nicht genug Gewinn und wolle nur noch größere, renditeträchtigere Fahrzeuge auf den Markt bringen.

          Für Amerika sei die A-Klasse zu klein und zu europäisch, dort mag man lieber SUVs wie den Mercedes GLE, der über 2,3 Tonnen wiegt und aussieht wie ein verärgerter, wegen Überdruck bald platzender Metallfrosch. Für das Klima ist die globale SUV-Obsession keine gute Nachricht; würde ganz Amerika A-Klasse statt Trucks fahren, wäre der Landesverbrauch halbiert. Wobei auch der kleinste Mercedes kein leichtes Auto ist; die erste A-Klasse von 1997 wog 1095, die aktuelle liegt zwischen 1350 und 1700 Kilogramm. Wer in 25 Jahren 500 Kilo zunimmt, hat, sollte man meinen, ein Problem.

          Das Ende der A-Klasse und die neue Marge-statt-Masse-Politik bedeutet auch das Ende der Illusion, dass Luxus für alle zu Discountpreisen zu haben sei. Wird Mercedes wieder das, was die Marke früher war, als alle Käfer fuhren und nur die Oberschicht Benz? Und ist das sozial ungerecht? Ausgerechnet Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) warnt, es führe „zu Akzeptanzproblemen, wenn man nur noch für Reiche und Superreiche Autos baut“. Dabei müsste man meinen, dass gerade die Grünen alles begrüßen, was aus dem Auto wieder ein Luxusprodukt macht; zum ökologischen Problem wurde es ja erst in dem Moment, als es sich aus einem sündhaft teuren benzingefüllten, kinetischen Kunstwerk in ein millionenfach vor sich hin dieselndes Transportmittel verwandelte. Man könnte Mercedes’ Entscheidung, weniger Autos zu bauen, als gute Nachricht für die Natur lesen.

          Mehr Tempo bei der Bahn, bitte!

          Ob sie das sein wird oder die Kunden nur ausweichen, hängt auch davon ab, ob es beim Massentransport echte Alternativen zum Auto geben wird. Mit einer notorisch fußlahmen Bahn, die ihre Kundschaft mit immer surrealeren Mitteilungen („Grund der Verspätung ist eine vorausgegangene Verspätung“) überrascht, wird sich nichts ändern. Statt einer manisch auf die Frage des Tempolimits verengten Verkehrsdebatte wäre jetzt wirklich einmal deutlich mehr Tempo nötig – zum Beispiel beim Bau von pünktlichen Zügen, die einen schneller ans Ziel bringen als jede S- oder A-Klasse.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

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