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Amerikanische Hochschulen : Vielfalt statt Freiheit

  • -Aktualisiert am

Vielfalt hat Priorität: Eine positive Umgebung ist amerikanischen Studenten wichtiger als Meinungsfreiheit. Bild: dpa

Amerikanische Studenten sind davon überzeugt, dass Vielfalt nur da entstehen kann, wo die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird. Was passiert, wenn Gruppenzugehörigkeit wichtiger wird als der Austausch von Argumenten?

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          Einer neuen Umfrage des Gallup Instituts und der Knight Foundation zufolge sind Vielfalt und Inklusion 53 Prozent der amerikanischen Studenten wichtiger als Meinungsfreiheit. Wer Meinungsfreiheit für eine Form von Vielfalt oder zumindest für ihre Voraussetzung hält, muss zur Kenntnis nehmen, dass die meisten amerikanischen Studenten das anders sehen. Erstmals sind sie mehrheitlich der Überzeugung, dass Vielfalt – oder, wie es in der Umfrage auch heißt: eine positive Umgebung – nur durch Einschränkung der Meinungsfreiheit erreicht werden kann. Immerhin 37 Prozent der Befragten finden es in Ordnung, zu diesem Zweck einen Redner niederzubrüllen. Das geschieht an amerikanischen Hochschulen inzwischen recht häufig und hat das Klima gründlich vergiftet.

          Statt um den Austausch von Argumenten geht es um Gruppenzugehörigkeit und die bessere Moral. Die Überzeugungskraft eines Arguments hängt nach dieser Logik eng damit zusammen, ob sein Autor aus Bielefeld oder Kampala stammt. Die Einschränkung der Meinungsfreiheit verfolgt selbstverständlich einen guten Zweck. Sie soll vor Rassismus und Hassrede schützen. In der Praxis geht der Schutzanspruch aber weit über Anfeindungen durch extremistische Milieus hinaus und wendet sich gegen Personen, die sich einfach nur den Luxus einer anderen Meinung leisten. Beispielsweise wurde der Soziologe Nicholas Christakis in Yale niedergeschrien, weil seine Frau Zweifel an Kleidervorschriften für Halloween-Kostüme angemeldet hatte. An der Evergreen State University wurde der Biologieprofessor Bret Weinstein mit Rassismusvorwürfen zum Rücktritt gedrängt, weil er sich einem verpflichtenden Abwesenheitstag für weiße Professoren verweigert hatte.

          Heute präsentiert er sich auf Twitter als Wissenschaftler im Exil, von wo aus er mitteilt, dass es an amerikanischen Hochschulen kaum noch möglich sei, offen über Evolutionstheorie zu sprechen. So ergeben sich bizarre Parallelen: Die Türkei verbannte die Evolutionslehre kürzlich aus religiösen Gründen aus den Schulbüchern. In den Vereinigten Staaten wird sie von einer dominant gewordenen Strömung der Gendertheorie befehdet, nach der Körper und Geschlecht nichts miteinander zu tun haben dürfen. Mittlerweile werden auch in Frankfurt, Köln oder Bremen Platzverweise an Redner mit ungefälligen Ansichten verteilt. Diversität meint hier ein moralisches Wettrüsten, ein Recht auf Ausgrenzung und Ausblendung unangenehmer Realitäten. Intellektuelle Vielfalt jedenfalls nicht.

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

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