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Meine Krise IV : Merkel ist wie eine Mutter

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Noch wehen die Flaggen der Slowakei und der Europäischen Union Seite an Seite. Im Hintergrund ist die Burg von Bratislava zu sehen Bild: dpa

Höhere Steuern, geringere Einkommen und weniger Arbeit: Die Krise macht sich in der Slowakei vor allem im Geldbeutel bemerkbar, doch ihr Kern betrifft die Moral.

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          Diese Krise ist im Grunde eine Wohlstandskrise. Sie entstand nicht durch einen Mangel, sondern durch das ungesunde Begehren nach immer mehr Besitz. So wuchsen die Schulden, und sie wachsen stetig weiter. Wir suchen Glück in wertlosen Dingen und im Geldverdienen. Stress und Unzufriedenheit nehmen zu. Ich bin gerade aus Kairo zurückgekehrt, wo reiche und arme Leute nebeneinanderleben. Dort haben die Armen nicht das Verlangen nach dem, was die Reichen besitzen, sie wollen nur ein ehrenvolles Leben führen. Sie sind noch imstande, sich über die kleinen Dinge des Lebens zu erfreuen. Doch dort, in den Slums, können wir studieren, was es heißt, in einer echten Krise zu überleben. Darum lautet die wahre Frage: Haben wir eine Krise in Europa, oder haben wir nicht alles, was wir brauchen?

          Deutschland spielt eine wichtige Rolle in der Krise. Für mich ist Angela Merkel wie eine Mutter. Sie will den anderen Staaten helfen, wie das ihrer Natur als Mutter entspricht. Manchmal sind die Kinder aber einfach zu durcheinander, als das ihnen allein ihre Mutter helfen könnte.

          Die Krise kann gelöst werden

          Viele Leute sagen: Warum sollten wir Griechenland und Spanien helfen? Die haben doch die finanziellen Probleme, sie sollten auch die Verantwortung für ihre Fehler tragen. Viele denken, Eurobonds könnten eine Lösung und ein Weg zu Wohlstand sein, aber wir müssen sehr vorsichtig damit umgehen. Unachtsame Hilfe oder die Tolerierung von Ungerechtigkeiten könnten der Weg in die Hölle sein.

          Die slowakische Bevölkerung nimmt die Krise vor allem über ihren Geldbeutel wahr. Sie müssen höhere Steuern zahlen, haben ein geringeres Einkommen, und es gibt weniger Arbeit. Die Krise bedeutet für sie also vor allem weniger Geld und höhere Kosten. Sie sind frustriert und unsicher und freuen sich über alles, was ihnen helfen könnte. Die Wahrnehmung von Eurobonds und anderen Maßnahmen ist meiner Meinung nach aber falsch, sie schaffen nur noch mehr Schulden für die nächsten Generationen. Ich denke, wir haben vor allem eine moralische Krise. Dieses Problem könnte noch für Generationen bestehen bleiben. Wohlstand kann nicht durch permanentes Wachstum erreicht werden. Aber die Krise kann gelöst werden, sofort. Wir müssen uns nur auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren.

          Protokoll und Übersetzung von Oliver Kühn.

          Marek Mittaš, 28 Jahre alt, wohnt in Prievidza (Priwitz). Er ist Schriftsteller und schreibt zudem für slowakische Zeitschriften. Sein jüngstes Buch „Hriechy v rukavikách“ („The Sins in the Gloves“) wurde 2010 veröffentlicht

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