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Zum Abschluss des CCC-Kongress : Weniger Straßenschlachten, mehr Lötkolben

Hier geht’s also zur Zukunft: Kongressbesucher vor einem 3D-Tunnel beim Chaos Communication Congress (CCC) in Hamburg Bild: dpa

Die Jugend geht vielleicht nicht auf die Straße, aber zum Chaos Communication Congress nach Hamburg – zusammen mit Computerbastlern, Aktivisten und ganzen Familien.

          Es ist ein seltsamer Stimmungsumschwung, den so mancher auf dem 33. Chaos Communication Congress konstatiert. Bisher beschäftigte man sich mit dem Wahnsinn von Politik und Überwachung vor allem in den Hallen des Hamburger Congress Centrums, während die Welt da draußen seltsam unberührt blieb. Inzwischen ist der Alltag durchsetzt von Katastrophenthemen wie Trump und Pegida und Terror; und angesichts eines Saales voller Menschen, die sich bereitwillig Vorträge über staatliche Überwachung in einem vom Ausnahmezustand geprägten Frankreich anhören, schöpft man für ein paar Tage Hoffnung. Die Jugend geht vielleicht nicht auf die Straße, aber wer sie sucht, der findet immerhin dreitausend von ihnen in Saal 1. Und zehntausend weitere in den weiteren Räumen, bastelnd und lötend an Tischen und angeregt diskutierend in den labyrinthischen Gängen.

          Die Gäste sind mitunter hochkarätig. Etwa die beiden Informatik-Professoren J. Alex Halderman und Matthew Bernhard von der University of Michigan, die untersucht haben, ob es möglich ist, die amerikanische Präsidentenwahl zu manipulieren. Und ob man damit leicht auffliegt oder nicht. Halderman tat sich mit der grünen Präsidentschaftskandidatin Jill Stein zusammen, sammelte via Crowdfunding fünf Millionen Dollar und veranlasste eine Neuauszählung in drei Staaten. Das Ergebnis: Die Trump-Wahl ist wohl eher nicht manipuliert. Allerdings ist eine Manipulation der Speicherkarten, die in den Wahlmaschinen stecken, durchaus möglich; eine nachträgliche Handauszählung ist aber nur schwer durchzusetzen, und den Anwälten des Wahlsiegers bleibt einige Handhabe, die Überprüfung des Ergebnisses zu verhindern. In vielen Wahlkreisen intervenierte Trump erfolgreich, eventuelle Wahlfälschung ist daher nur schwer nachzuweisen.

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          Frankreich ist derzeit eines der Länder, die die Privatsphäre aus Terrorangst empfindlich einschränken. Seit November 2015 befindet sich Frankreich offiziell im Ausnahmezustand, der bereits mehrfach verlängert wurde. Aber schon seit 2014 befindet sich die französische Regierung auf einem Kurs in Richtung Überwachung. Christopher Talib und Agnes du Cornulier von der Non-profit-Organisation „La Quadrature du Net“, die sich für ein überwachungsfreies Internet einsetzt, müssen nur die drastisch gestiegenen Zahlen an Verhaftungen, Hausarresten, Durchsuchungen und neu verabschiedeten Gesetzen referieren, dass einem unwohl wird. Hausarreste betreffen vor allem muslimische Bürger auch ohne konkreten Verdachtsfall, es bedeutet, dass sie sich dreimal täglich bei der Polizei melden müssen.

          Neben den Tagespanels gehören die Abendstunden den Vorträgen mit Showelementen. Aus den vielen Stunden NSA-Untersuchungsausschuss, in dem das Ausmaß der Ausspähung durch ausländische Geheimdienste geklärt werden soll, entstand ein absurdes Theaterstück aus Originalzitaten. Gut, dass der Moderator betonte, es sei nichts dazuerfunden worden – man hätte sonst nicht geglaubt, wie sich die Zeugen des Bundesnachrichtendienstes versucht haben, aus der Affäre zu winden. Ist diese Sitzung nun öffentlich, geheim oder streng geheim? Was darf man in welcher Situation aussagen und sagt es dann mit welcher Ausrede dennoch nicht? Die Dramatisierung von Untersuchungsausschüssen ist eine vermutlich schwer unterschätzte Kunstform, aus der man mehr über die Funktion von Demokratie und ihren Gremien lernen kann, als man je wissen wollte.

          Längst ist aus dem „Hackerkongress“, den man eigentlich nur noch in Anführungszeichen so nennen kann, eine zugegeben techniklastige Konferenz zu gesellschaftlichen und politischen Themen geworden. Ein Vortrag über die Sprache des Populismus findet dort ebenso statt wie eine äußerst unterhaltsame Geschichte einer Parlamentsschlägerei samt Videoausschnitten (der Sieger in Sachen „legislative violence“, so der Fachterminus, ist übrigens die Ukraine). Es sind nicht nur Computerbastler, die nach Hamburg strömen, sondern auch Aktivisten, ganze Familien, Podcaster und alle, denen an der Gestaltung der Gegenwart etwas liegt. Wo der Congress im nächsten Jahr stattfinden wird, ist noch nicht klar: Das veraltete Gebäude in Hamburg muss kernsaniert werden, ein Ausweichquartier wird gesucht. Stattfinden wird er aber sicher, der 34. Congress, und er könnte noch viel größer werden.

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