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Medienschau : Zählen und zahlen

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Entwurf für das Zentrum für Zeitgenössische Oper von Gewers Kühn & Kühn Bild: Carsten Eisfeld

Nicht übers Geld, über die Notwendigkeit eines Zentrums für Zeitgenössische Oper in Berlin hatte man diskutieren wollen. Die Zeitungen berichten.

          Seit ihrer Gründung im Jahr 1997 nutzt die Zeitgenössische Oper Berlin das Hebbel-Theater als Aufführungsort. Weil viele Musikwerke aus der Zeit nach 1945 die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum verschieben oder gleich ganz aufheben, ist ein klassischer Theatersaal kein geeigneter Ort für die Aufführung zeitgenössischer musikalischer Bühnenwerke.

          Dass das Team der Zeitgenössischen Oper von einem eigenen, auf ihre speziellen Bedürfnisse zugeschnittenen Haus träumt und an dessen Realisierung arbeitet, ist verständlich. Was aber würde das bedeuten? Ein viertes Opernhaus für Berlin, wo selbst die kulturpolitische Sicherung der drei bestehenden Häuser unklar ist? Und wer soll das bezahlen?

          Nicht über Geld reden

          Eine Diskussion, die das Projekt gleich an die Probleme seiner Finanzierung bindet, würde schnell in eine Sackgasse führen. Deshalb wurde zunächst der kühne Entwurf des Architektenbüros Gewers Kühn & Kühn für ein "Zentrum für Zeitgenössische Oper und Musik" präsentiert. Auf einer Podiumsdiskussion, über die die Zeitungen an diesem Donnerstag berichten, hatte über den Bedarf an einem solchen Zentrum diskutiert werden sollen - nicht über das Geld: ein kulturpolitischer Balanceakt.

          Für die Kulturpolitik auf Bundesebene nahm Knut Nevermann, Ministerialdirektor hinter Julian Nida-Rümelin, an dem Gespräch teil. Er nannte, berichtet die "Berliner Morgenpost", die Idee eines solchen Zentrums "faszinierend", die Gestalt "überzeugend" - und wies zugleich die Zuständigkeit des Bundes für ein solches Projekt zurück. Es sei Sache der Länder.

          Dampf machen

          Dabei habe, wie der Sprecher der "Zeitgenössischen Oper" laut der "Neuen Zürcher Zeitung" angedeutet haben soll, der Bundskulturstaatsminister durchaus "wohlwollendes Interesse" an dem Projekt bekundet. Schließlich bräuchte Nida-Rümelin "Software" für seine Bundeskulturstiftung.

          Der Stiftungsexperte Rupert Graf Strachwitz, Direktor des Berliner Maecenata Instituts, hält - so schreibt die "Berliner Zeitung" - eine neue Form der Trägerschaft und Organisation ohnedies für dringend notwendig, wolle das Zentrum nicht, in staatlicher Trägerschaft und mit einem beamteten Intendanten, als viertes Opernhaus in Berlin funktionieren. So wäre das Projekt ein "tot geborenes Kind". Mit neuen Betriebs- und Finanzierungsmodellen allerdings könne eine Institution entstehen, die "anderen Dampf macht und Kreativität abnötigt".

          Aus der Pflicht nehmen

          Im Gegensatz dazu befürchtete der Ministerialdirektor, dass ein Ort ausschließlich für zeitgenössische Oper die anderen Häuser aus der Pflicht nähme, sich den Werken der Gegenwart zu stellen. Die bestehenden Opernhäuser würden, zitiert die Berliner Morgenpost Nevermann, zu Museen erklärt. Dabei müsse man diese Häuser, wird Nevermann in der "Berliner Zeitung" zitiert, geradezu dazu zwingen, auch zeitgenössische Werke zu spielen.

          Doch über Geld reden

          An utopischem Potenzial, resümiert der "Tagesspiegel", mangelte es der Diskussion nicht. Dass Geldfragen, auch wenn alle Seiten sie verfrüht fanden, die Diskussionsbeiträge bestimmten, darf angesichts der versammelten Finanzierungsexperten - und diese Kompetenz verbindet den Ministerialdirektoren mit dem Stiftungsexperten - als sicher gelten. Dass gegen Ende der Podiumsdiskussion dennoch "ungeschützt" ein paar Zahlen genannt werden, berichtet der "Tagesspiegel": 100 Millionen Mark müsse man für den Bau des Zentrums rechnen, für den laufenden Betrieb jährlich mindestens 20 Millionen Mark.

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