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Medienschau : Sexbombe als Pop-Ikone

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Einsam hinter heiterer Fassade: Marylin Bild: dpa

Marilyn Monroe wäre heute 75 Jahre alt geworden. Wäre sie nicht am 4. August 1962 auf mysteröse Weise gestorben, würde sie noch leben. Aber sie lebt!

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          Fast alle führenden Zeitungen in Deutschland gratulieren Marylin Monroe, der Popikone des 20. Jahrhunderts heute zum 75. Geburtstag.

          Ein Sommerkind, ein blonder Engel, ein energiegelandener Star, der längst vergangen ist und auch mit Hilfe der Genmanipulation heute nicht mehr am Leben wäre.

          Die „taz“ kommt mit einer extra erste Seiten und vier Sonderseiten. Ganz vorn schenkt der Modedesigner Paco Rabanne der Monroe erst einmal ein neues Keid: Auf knallgelbem Grund trägt sie es schon, steht da, selbstbewusst und schlank. Das Kleid ist eng, kurz, ärmellos. Die Monroe blickt fordernd nach links. Ausgearbeitete Büste und schmale Trägerchen erinnern an sexy Zeiten der 50er-Jahre. Ein dezentes Karomuster, ein Chiffon-Schal, der wie ihr berühmter Rock über einem Pariser Metroschacht um die Hüften wirbelt. Das ist Marilyn, wie man sie heute gerne hätte! Eine starke Frau, eine Löwin. War sie das wirklich?

          Sie war unpünktlich und vergesslich und sie provozierte ihre männlichen Partner, bis diese erschöpft niedersanken. Erst dann lief sie zu voller Form auf. Zu den Dreharbeiten ihres letzten Films „Something's got to give“ erschien die Monroe so unregelmäßig, dass sie rausflog. Zwar unter dem Sternzeichen des Zwillings geboren, war sie eben doch eine Löwin, wenn auch ein fragiles und einsames Exemplar.

          Einsamkeit kennzeichnete ihr Leben

          Die Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen führt in der „taz“ die Lebensstationen des kindhaften Sexstars, den die Monroe bis zu ihrem frühen Tod am 4. August 1962 in unzähligen schlechten und wenigen guten Filmen verkörpert hat noch einmal vor Augen: Geboren als uneheliches Kind mit Namen Norma Jean Baker Mortenson kam sie, nachdem ihre Mutter geisteskrank wurde in ein Waisenhaus und wuchs in der Nähe von Los Angeles auf.

          Da sie von Geburt ein Niemand war, ließ sich die Monroe für die Filmkarriere stylen: Nasenlifting, Zahnregulierung, Haaransatzverschiebung, Blondierung, Körperbewusstsein mit einzigartigem Sexappeal. Als wär's ein Star von heute! Dazu legte sie sich einen einfacheren Namen zu und begann eine Karriere als Pin-up-Girl. Schließlich, so schreibt Bronfen, sei sie mit „Niagara“ in jenem Körper angekommen, der sie zum führenden Sexstar Hollywoods machte.

          Zuerst war Marilyn mit einem Football-Star, dann mit einem Schriftsteller, Arthur Miller, verheiratet. Sie war mit den Kennedies befreundet und ging in der Gesellschaft ein und aus. Und doch wurde ihr nie ein Oscar angeboten. Nie erhielt sie anspruchsvolle Rollen und notorisch unterbezahlt war sie außerdem. Elisabeth Bronfen, die zusammen mit Barbara Strautmann gerade an einem neuen Buch über die Diva arbeitet, das im Herbst bei „Schirmer und Mosel“ erscheinen soll, hebt voller Sympathie hervor, dass die Monroe intelligenter war, als sie aussah. Dass sie eine Rolle spielte, die die Männerfantasien aber auch amerikanische Klischees bediente, hinter der sich ein Wesen verbarg, dass für uns auch nach der heutigen Morgen-Lektüre so rätselhaft bleibt, wie es war. Obwohl ihr Wunsch gewesen wäre:

          „Es ist zwar schön, in den Fantasien anderer Menschen einen Platz einzunehmen, aber man möchte doch eigentlich gerne akzeptiert werden, für das, was man selbst ist.“

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