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Medienschau : Das Eigentliche und das Ewige

  • Aktualisiert am

Samuel Huntington kehrt zurück Bild: dpa

Die Rede vom "Wesen" des Islam ist töricht. Die Rede vom "Kampf der Kulturen" unkaputtbar. Eine Medienschau.

          1 Min.

          Der Beitrag eines Orientalisten in der "Süddeutschen Zeitung" schließt mit einem Zitat. "Wem endlich zur Erklärung der gegenwärtigen Tatsache des Islams der Koran und das Leben Muhammeds genügen", wird Carl Heinrich Becker zitiert, "dem ist überhaupt nicht zu helfen".

          Becker war nicht nur Orientalist, sondern auch Kultusminister. In Preußen, damals, vor über 90 Jahren. Seine Bemerkung, so die "Süddeutsche", verweise auf eine Schwachstelle der gegenwärtigen Rhetorik vom Islam als einer seinem Wesen nach "eigentlich friedlichen Religion". Der Islam sei nicht "eigentlich friedlich", er sei überhaupt nicht "eigentlich". Die Versuche, aus einzelnen Koranverse sein Wesen abzuleiten, müsse scheitern.

          Trugschluss

          Zudem gebe es im Islam "keine institutionalisierte Gelehrtenhierarchie, die - und sei es auch nur für einzelne Konfessionsgruppen - eine verbindliche Lehrmeinung vertreten könnte". Die These, die fundamentalistischen Terroristen würden ihre dem Wesen nach politischen Ziele nur in ein religiöses Gewand kleiden, verfehle die Realität in den islamischen Ländern, in denen die Trennung und Unterscheidung von Politik und Religion, Grundlage dieser These, gar nicht vollzogen würde.

          Wenn in dem gegenwärtigen Konflikt Gegensätze verhandelt werden, könnte man aus dem Artikel der "Süddeutschen" schließen, dann die zwischen säkularisierten und auf religiösen Überzeugungen fundierten Gesellschaften. Eine Feststellung in Sichtweite der Thesen Habermas', die der Philosoph am Sonntag in der Paulskirche vorstellte.

          Wiederkehr

          Aus der Reihe der Schlagwörter, die einst in heftiger Debatte entkräftet werden konnten, hat kaum eines eine ähnliche Revitalisierung erfahren wie Samuel Huntingtons Terminus "Kampf der Kulturen". Zwar hat sich der Harvard-Professor längst davon distanziert, in dem gegenwärtigen Konflikt den von ihm prophezeiten "Clash of Civilizations" zu sehen. Das hindert Huntington jedoch nicht daran, auch selbst von der wiederkehrenden Popularität seiner These zu profitieren.

          Und so war es, wie die "Frankfurter Rundschau" berichtet, ausgerechnet ein internationaler PR-Kongress in Berlin, auf dem Huntington als Gastredner auftrat. Mit Anekdoten, Grafiken und Statistiken habe der einst Umstrittene belegen wollen, wofür der italienische Ministerpräsident Berlusconi jüngst Schelte bekam. Huntington hingegen erntete Applaus.

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