https://www.faz.net/-gqz-36ts

Medienschau : Bild oder Zeichen - Schlussfolgerungen zu Karfreitag

  • Aktualisiert am

Am Gründonnerstag schreiben die „Welt“ und die „Süddeutsche“ über den Karfreitag - über eine Entdeckung und ein Gemälde. Eine Medienschau.

          Früher, erläutert die „Welt“ in ihrer Rubrik „Sprach Spiele“, früher habe das Wort „grün“ auch „frisch, erneuert, frei von Sünden“ bedeuten können. Womöglich hänge die Bezeichnung „Gründonnerstag“ für den Donnerstag der Karwoche damit zusammen, sicher aber auch mit dem alten Brauch, „an diesem Tag zur Buße nur grünes Gemüse und Kräuter zu essen“.

          Die Zeitung widmet sich auch dem kommenden Tag. Sie berichtet von archäologischen Entdeckungen auf dem Jerusalemer Berg Golgatha, jener Stätte, an der religiösem Glauben nach Jesus am Karfreitag gekreuzigt worden ist. Auch das Feuilleton der „Süddeutschen Zeitung“ widmet sich der Kreuzigung, allerdings aus theologischer Perspektive.

          Standort des Kreuzes

          Vor mehr als 15 Jahren, erzählt die „Welt“, habe das griechische Patriarchat von Jerusalem den Architekten Theo Mitropoulos beauftragt, die auf Golgatha erbaute Grabes- und Auferstehungskapelle Christi zu restaurieren und dabei die Marmorplatten, die den Felsen verdeckten, auf dem Jesus gekreuzigt wurde, im Altarbereich der Kirche durch dicke Glasplatten zu ersetzen.

          Bereits im 6. Jahrhundert soll die Hügelkuppe erstmals mit einem Kalkverputz versiegelt und so vor der Verwitterung und der Beschädigung durch Pilger geschützt worden sein. Gut 200 Jahre zuvor hatte Kaiser Konstantin den Felsen soweit abtragen lassen, dass seine Reste in eine Basilika passten, die der Imperator zu Ehren Christi zu bauen befohlen haben soll.

          Der steinerne Ring und seine Folgen

          Bei seinen Restaurierungsarbeiten stieß Mitropoulos an einer Stelle auf einen zerbrochenen steinernen Ring. Der Architekt schildert seine Überzeugung in der „Welt“: „Das ist die Stelle, wo der Herr gekreuzigt wurde. Wir hatten sie nicht gesucht. Wir hatten keine Vorstellung, hier irgendetwas außer dem nackten Felsen zu finden und waren unglaublich berührt, als wir plötzlich diesen Ring entdeckten. Denn mir war gleich klar, dass dies die Stelle war, die seit frühester Zeit als der konkrete Ort der Kreuzigung verehrt wurde.“

          Der Durchmesser des Ringes lässt darauf schließen, dass das Kreuz, das in ihm aufgerichtet worden war, nicht höher als 2,50 Meter gewesen sein kann. Anders als auf den meisten Darstellungen der Kreuzigung Christi gezeigt, sei Jesus damit nicht erhöht, über denen gestorben, die um ihn trauerten oder seinen Tod überwachten, sondern in ihrer unmittelbaren Nähe.

          Schattenwurf des Kreuzes - eine Bildbetrachtung

          Die „Süddeutsche“ nähert sich der Karfreitags-Thematik über eine Bildbetrachtung. Jean-Léon Gérômes Bild „Consummatum est. Jerusalem“ aus dem Jahr 1868 zeige nur noch einen Schatten des Kreuzes, das „Realsymbol des Heils“ ist als Schatten auf dem unebenen Felsen nur mühsam zu entziffern. Das Bild zeigt die Menschen, die Trauernden, die Soldaten, die Schaulustigen, wie sie Golgatha verlassen. Das Bild zeige die Position des Daneben (das Kreuz selbst ist nicht zu sehen) und einen Moment des Danach (Consummatum est - es ist vollbracht).

          Bereits im frühchristlichen konstantinischen Tempelkomplex, führt die Zeitung im Widerspruch zur Darstellung in der „Welt“ aus, sei die Stelle der Kreuzigung nicht zentral positioniert gewesen. Die Mittelachse dieses Bauwerkes ergebe sich vielmehr aus der Senkrechten zwischen dem Grab Jesu und der Hauptstraße des römischen Jerusalems, die Architektur sei somit auf die Stelle der Auferstehung Christi, der Überwindung des Todes ausgerichtet gewesen, nicht auf die Stelle seines Todes selbst. Die habe in einer Ecke des säulenumstandenen Hofes gelegen, der um die Grabstätte gezogen war.

          Dass Gérôme das Kreuz einen Schatten werfen lässt, steht in Widerspruch zu der kreuzestheologischen Überzeugung, die Sonne habe zum Zeitpunkt des Todes Christi im Zenit direkt über dem Kreuz gestanden, bevor sie sich verdunkelte. Allerdings müsse die Frühjahrssonne an jenem Mittag nicht im Zenit gestanden haben, sondern deutlich tiefer, erklärt die „Süddeutsche“. Sie gibt dem Maler recht. „Das Kreuz, das sich nach Vorstellung der Theologen als Siegeszeichen über die Natur erhob“, pointiert die Zeitung, „ist bei ihm nur dank der Natur noch im Bild präsent.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.
          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.