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Medienschau : Anderswelt - wenn Fische samstags Einkaufen gehen

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg zum Feenschatz - Ausschnitt aus „Artemis Fowl” von Eoin Colfer Bild: List Verlag

Tageszeitungen mit den verrücktesten Geschichten: eine Unter-Wasser-Ausstellung in Zürich und Zwerge aus den Tiefen irischer Mythen.

          Es wird immer schwerer, an gute Kunst zu kommen: Auf der Biennale in Venedig arbeiten sich nicht enden wollende Besucherströme durch ein verzaubertes Haus im Haus. Gregor Schneider macht aus den Gästen des deutschen Pavillons zähe Kletterer im Labyrinth fremder Raumerfahrungen.

          In Zürich begibt man sich hingegen unter Wasser, um zur Kunst zu gelangen. Wie die „Neue Zürcher Zeitung“ an diesem Dienstag berichtet, führt die aufregendste Reise zur Kunst in diesen Wochen vier Meter unter die Oberfläche des Zürichsees. „Anderswelt“ könnte man das mit dem irischen Schriftsteller und neuen Bestseller-Kinderbuch-Autor Eoin Colfer nennen. Die „Süddeutsche“ ist ihm auf die Spuren uniformierter „Leprechauns“ gefolgt, die aus der Unterwelt stammen, mit nuklearen Waffen kämpfen und für ihre Verwandten, die biederen Gartenzwerge, nur ein müdes Feenlächeln übrig haben.

          Museumsgänge als Tauchgänge

          Aber zurück zum Zürichsee: Dort nämlich gehen die Fische am Samstag einkaufen, und das erstaunt. Vielleicht lag es an der Testbesucherin. In ihrem steifen Neopren-Anzug, mit 14 Kilo Sauerstoff auf den Schulter und jeder Menge Blei an den Hüften, sah sie ja auch nicht wirklich attraktiv aus, als sie die Ausstellung „Unter Wasser. Kunst im Submarinen“ besuchte und keinen einzigen Fisch sah, wie sie überrascht in der „Neuen Zürcher Zeitung“ berichtet. Mit einem „Technischen Überbrückungskredit“, mit Gewichten, Ventilen, Schläuchen und einer dicken Zweithaut ausgestattet, machte sie sich auf den Weg in die Schwerelosigkeit.

          Die Sicht beträgt im Zürichsee nur 1,50 Meter. Das ist wenig in einer Kunstausstellung. Aber immerhin kitzeln die selbst produzierten Luftblasen, und die eigene Atmung tönt in der Stille durch Zeit und Raum. Die Orientierung geht ebenso schnell verloren, wie in Gregor Schneiders Hauspalast auf der Biennale an der Venezianischen Lagune. Dann plötzlich kommt er, ein VW-Golf. In tadellosem Zustand steht er für die Geister da, die ihn im dämmrigen Nass finden und in ihr unbekanntes Land entführen wollen. Der Künstler Haruko hat ihn auf den Seegrund gestellt. Die anderen Werke der Ausstellung kann man im Museum Bellerive besuchen. Museumsräume als Tauchgründe, das hatte auch schon der Lichtkünstler James Turell vor einigen Jahren in Frankreich vorgeschlagen, um in unerreichbare Gefilde vorzudringen, die die Fantasie beflügeln.

          Anderswelt

          In einem unbekannten Land entstehen auch die Geschichten des irischen Schriftstellers Eoin Colfer, den die „Süddeutsche Zeitung“ anlässlich der Veröffentlichung seines Bestsellers „Artemis Fowl“ auf Deutsch vorstellt. Sechs Bücher hat der ehemalige Lehrer schon geschrieben. Nun endlich ist ihm der Durchbruch gelungen, und er konnte seinen Beamtenjob an den Nagel hängen. Seine Fantasy-Stories haben eingeschlagen, als er eine Agentin beauftragte, sich um die Vermarktung zu kümmern. In Hollywood sind die ersten Verträge unterschrieben, in 15 Ländern liest man die spannenden Geschichten des 12-jährigen Protagonisten, der ein Mistkerl und hinter dem Gold der Elfen her ist.

          Als Jäger eines verlorenen Schatzes agiert der gerissene Knabe wie die Junior-Ausgabe eines James Bond im unterirdischen Feenland, in dem die „Leprechauns“ geheime Terminals errichtet haben und notfalls sogar die Zeit anhalten können. In dieser „Anderswelt“ regiert noch die Magie alter Mythen, die unsere wirkliche Welt in ihrer Berechenbarkeit längst verloren hat.

          Seinen Erfolg hat Eoin Colfer dem Harry-Potter-Phänomen zu verdanken. Aber wer den 36-jährigen Colfer auf J.K. Rowling anspricht, bekommt eine gescheuert, sagt der Autor und lacht.

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