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Medienschau : Am Eintrittspreis erkennen die Besucher den Wert des Museums

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Norman Foster unter seinem Glasdach über dem Innenhof des British Museum Bild: dpa

Die "Times" argumentiert: Nur wenn die Londoner Museen Eintrittspreise erheben, erkennen die Besucher den Wert der Sammlungen.

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          Eine Milliarde Pfund hat sich England neue Gehäuse, Hüllen, Bauwerke für die Kunst in den vergangenen zwei Jahren kosten lassen. In einem bissigen Resümee erinnert Simon Jenkins in der Londoner "Times" an die Neueröffnungen neuer Galerien im Victoria and Albert sowie der Tate Britain, dem Maritime Museum und National Museum, der Wallace Collection und dem Somerset House.

          Rund zwölf erweiterte oder renovierte Museen haben - so Jenkins ärgerlich - in den letzten 24 Monaten in der Kapitale Großbritanniens eröffnet, während Eisenbahn, Schulen und Krankenhäuser vor die Hunde gehen. Sauer ist der Journalist allerdings nicht auf die Museumsmacher. Denn das Geld für die Renovierungen stammt zum Teil aus privaten Spenden, teils aus der staatlichen Lotterie. Unbegreiflich erscheint dem Kunstkritiker, dass die Londoner und ihre Landsleute relativ gleichgültig auf die neuen Hallen reagierten.

          Versteckspiel

          Dass die neuen Ausstellungsräume zumeist in bestehende Gebäude eingesetzt worden wären, hält Jenkins für den ersten Fehler. Die architektonischen Lösungen hierfür nennt der Journalist "größtenteils wenig aufregend". Sein ironischer Blick fällt auf architektonische Schmuckstücke wie Norman Fosters Glasdach für das British Museum oder die von Dixon und Jones für die National Portrait Gallery entworfene Treppe.

          Blütezeit

          Dennoch: Nie sei auch so viel britische Kunst in der Hauptstadt zu sehen gewesen wie heute. Als Paradebeispiel nennt Jenkins die historische Hängung von mehr als 300 Bildern vergangener Akademie-Ausstellungen in einer glanzvollen Retrospektive der Royal Academy im Somerset House. Rahmen an Rahmen, von der Decke bis zum Boden drängen sich hier Turner und Lawrence, Gainsborough und Wright, Fuseli und Reynolds. Mittendrin vielleicht ein "Clutch of Constables", wie Ngaio Marsh einen ihrer Romane in Anlehnung an den Landschaftsmaler betitelte.

          Chauvinismus weist Jenkins von sich: Es gehe nicht darum, die bestehenden Sammlungen internationaler Kunst in ihrer Bedeutung zu schmälern. Aber wenn es überhaupt eine britische Kunst gebe, dann sei sie vor dieser Reihe von Um- und Neubauten in den Museen der Hauptstadt zu kurz gekommen.

          Auf Kosten der Provinz

          Was immer noch zu kurz komme, und womöglich kürzer als je zuvor, wären die Museen außerhalb Londons. Nur wenige Häuser in Manchester und Liverpool könnten von dem Status als Nationale Museen profitieren. Den anderen gehe es so schlecht, dass bereits im vergangenen Jahr die Museumsleiter der Nationalen Museen die Regierung baten, großzügiger gegenüber den Museen außerhalb zu sein. Im Gegenzug, bemerkt Jenkins bissig, wären den Selbstlosen weitere 15 Millionen Pfund zur Verfügung gestellt worden, damit der Besuch ihrer Häuser auch künftig kostenlos bliebe.

          Auf Kosten der Besucher

          Hier sieht Jenkins die Chance für ein Signal: Wenn auch die Nationalen Museen in London Eintrittskarten wieder verkauften, könnten die öffentlichen Mittel für Museen gleichmäßiger verteilt werden. Und den Besuchern werde gezeigt, dass ihre Museen wirklich etwas wert sind.

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