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Hausbesuche im schwedischen TV : Wenn der Trolljäger gegen die Tür hämmert

  • -Aktualisiert am

Er kommt nicht nur sinnbildlich, sondern auch tatsächlich bis vor die Haustür der Internettrolle: Robert Aschberg Bild: TV3

Die in Schweden viel diskutierte Reality-Doku „#Trolljägarna“ geht in die zweite Staffel. 2014 erfreute sie sich großen Erfolgs und wilder Debatten. Internetmobbing ist und bleibt ein brennendes Thema.

          Drei kernige Mal schlägt Robert Aschberg im Vorspann mit geballter Faust gegen eine schwere Holztür. Dann blendet sich auf ihr der – der Serie ihren Titel gebende – Hashtag #Trolljägarna (zu Deutsch: Trolljäger) ein. Im schwedischen Reality-TV-Format begleitet der Zuschauer den Moderator und Journalisten auf der Suche – ja, gar auf der Jagd – nach Internetmobbern, Cyberbullies oder wie man im Internetsprech sagt: „Trollen“. Das sind Menschen, die auf hetzerischer Art und Ausdrucksweise die freie Meinungsäußerung in den Kommentarfunktionen vieler Onlineplattformen missbrauchen.

          Ob harsche, fremdenfeindliche Äußerungen, sexistische, persönliche Diffamierungen, Gewaltaufrufe, Drohungen oder einfach nur blinder, wahllos gesäter Ärger – der bunten Vielfalt der Schwarzmalerei sind keine Grenzen gesetzt, läuft doch alles unter dem Deckmantel der Anonymität im Internet. Vielerorts ist aus dem Internet-Troll-Phänomen bereits ein gesellschaftliches Problem geworden. Das Internet als öffentlicher Raum ist voll von den Hetzkommentaren, was denen, die auf den jeweiligen Seiten für Sitte und Anstand sorgen müssen, sofern es sie gibt, viel Arbeit bereitet. Besonders auf sozialen Netzwerken wie Facebook sind die persönlichen Profile mit ihren kurzen Laufwegen – man muss sie nur anwählen und einmal kurz in die Kommentarfunktion klicken – ein beliebtes Ziel, um verbrannte Erde zu hinterlassen. Und es gibt mehr Menschen im Internet, die anderen das Leben zur Hölle machen wollen, als man wohlwollend glaubt.

          Konfrontieren und Outen

          Die Problematik sah auch Journalist Robert Aschberg. Er will der „Näthat“, wie die Schweden die Internet-Hetze bezeichnen, mit seinem Format entgegenwirken, verfolgt seit vergangenem Jahr die Spuren, die besonders auffällige Trolle im Netz hinterlassen, und spürt sie im wahren Leben auf, um sie mit ihren Kommentaren zu konfrontieren und als Trolle zu outen. Nun wird an einer zweiten Staffel der Doku-Serie gearbeitet.

          Haben die Online-Demagogen in ihrem Hassgeschwurbel vielleicht noch die Feststelltaste ihrer Tastatur genutzt, werden sie sofort ziemlich kleinlaut, sobald Robert Aschberg ihnen gegenüber tritt. Aschberg, einer der populärsten Fernsehpersönlichkeiten Schwedens, hat schon die Maskerade von Stalkern, Pädophilen und Politikern beendet. Den Trollen wird sichtlich unbehaglich, wenn die Spalte zwischen dem virtuellen, anonymen Ort „Internet“ und dem durchaus realen Ort „vor der Haustür“ von Robert Aschberg geschlossen wird: „Das habe ich nicht geschrieben“, sagen sie Aschberg meist ins Gesicht.

          In Schweden, einem der digital fortschrittlichsten Länder der Welt, findet die Serie trotz des Erfolgs der ersten Staffel bei seinen Zuschauern nicht nur Gunst. In den Debatten prallen Aspekten der freien Meinungsäußerung und des allgemeinen Persönlichkeitsrechts aufeinander. Für ihre Dringlichkeit fand Danielle Citron, Professorin für Recht in Harvard, treffende Worte. Sie spricht davon, dass die „Netiquette“ das „nächste Kapitel in der Bürgerrechtsbewegung“ sein wird. Viele, nicht nur schwedische, Netzaktivisten sehen die Anonymität des Internets als wichtigeres Gut. Ihre Wahrung soll Vorrang haben vor der Trollprävention.

          Auch abgesehen von diesem Zwiespalt sorgt #Trolljägarna für Diskussionsstoff: Auf die angeprangerten Trolle hagelte stets nach Ausstrahlung ihres Fall ein Shitstorm, der wiederum für weiter Wut im Netz sorgte. In der unseligen Tradition, „Feuer mit Feuer“ zu bekämpfen, wurden aus den Mobbern wurden Opfer - und die eigentlichen Probleme nicht unbedingt besser.

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