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Zweite „Real Humans“-Staffel : Wer versklavt hier eigentlich wen?

Sollen wir Opas Klon wirklich anschalten? Familie Engman ließe es besser bleiben. Bild: ARTE France / © Johan Paulin

Mensch gegen Maschine: In „Real Humans“ geht der Kampf weiter. Die großartige Serie besticht durch eine Mischung aus Zombie-Anmutung, Science-fiction-Style und der Optik des alltäglichen Lebens.

          Opa Lennart liegt in der Garage. In einem Karton, der aussieht wie eine gigantische Apple-Verpackung - oder wie ein weißer Sarg. Opa ist ja auch tot. Worüber sich Familie Engman da zugleich verstört, beglückt und ratlos beugt, ist sein Klon. Keiner aus Fleisch und Blut, sondern ein extrem menschlich wirkender Roboter, ein Hubot, in dessen Software der Großvater all seine Erinnerungen, Erfahrungen und Gefühle hat einspeisen lassen.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Zumindest die, die der Fragenkatalog der Hersteller erfasste, dazu Bewegungsmuster, Fotos und Videos aus der Timeline. Dass er eine Kopie von sich in Auftrag gegeben hat, ahnte keiner seiner Nachkommen. Nun fragen sie sich: Wann schalten wir Opa ein? Oder tun wir es besser gar nicht?

          Kein Platz für Gut-Böse-Raster

          In der zweiten Staffel der schwedischen Fernsehserie „Real Humans - Echte Menschen“ haben die Hubots genannten Human Robots ihre nächste Entwicklungsstufe erreicht. Die Maschine tut nicht mehr nur so, als wäre sie ein Mensch, es steckt nun auch einer - oder zumindest ein Teil von ihm - in ihr. Anders als beim Schachtürken anno 1769 in Wien klettert im Schweden der Zukunft aber kein Puppenspieler unter dem Spielbrett des vermeintlichen Automaten hervor und löst den Schrecken vor der Maschine in Belustigung auf. Die Sache sehr viel komplizierter. Dass sie das sein darf und zugleich höchst unterhaltsam und fesselnd bleibt, zeichnet die zehnteilige Fortsetzung der Serie neben ihrer optischen Brillanz vor allem aus.

          Die Hubots: Ihre Bewegungen sind einen Tick abgehackt, ihr Styling erinnert an Manga-Figuren.

          In der ersten Staffel hatten wir gesehen, wie Hubots als beschränkte Arbeitssklaven Einzug in Haushalte und Unternehmen gehalten haben. Ein bisschen zu perfekt ist ihre Benutzeroberfläche, um organisch zu sein, unterbrochen von einer USB-Buchse im Nacken. Ihre Bewegungen sind einen Tick zu abgehackt, ihr Styling erinnert an Manga-Figuren - aber statt Blut rinnt blaues Fluid durch ihre Gefäße und verheißt, dass sie zu Höherem geschaffen sein könnten. Auch wenn das Dasein vieler Hubots das der Unterpriviligierten, Geächteten und Diskriminierten spiegelt: Nicht alle enden als interaktive Pornopuppe oder Schießbudenfiguren für Kriegsspiele nach Paintball-Manier - übrigens eine deutsche Erfindung in der Welt dieser Serie. Ein fieser Computervirus, der friedliche Automaten in aggressive Kampfmaschinen verwandelt, stammt dagegen aus der Ukraine.

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