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Traute Zweisamkeit: Chaima Ben Mahmoude und ihr Verlobter auf dem Weg nach Lampedusa. Bild: AP

Influencerin wirbt für Flucht : Komm mit auf die Harka, das ist ein Spaß

Zwei tunesische Influencerinnen kommen als Bootsmigranten nach Lampedusa. Sie feiern ihre Ankunft in Europa. Ihre Videos und Fotos auf Instagram und TikTok wirken wie Urlaubsfilme. Von Gefahr keine Rede.

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          Beste Stimmung auf dem Schlauchboot. Klatschen und Schunkeln zu arabischem Rap. Fröhliche Menschen, lachende Gesichter. Doch was die 21 Jahre alte Influencerin Chaima Ben Mahmoude aus Tunesien auf Tiktok gepostet hat, ist kein Handyvideo vom Partyausflug aufgekratzter junger Leute. Sondern die Dokumentation vom Beginn eines gefährlichen, potentiell tödlichen Höllentrips über das Mittelmeer.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Entstanden sind die Aufnahmen am 16. Dezember 2021, kurz nach der Abfahrt des Bootes von der tunesischen Hafenstadt Sfax. Der Preis für die Überfahrt zur Insel Lampedusa, dem südlichsten Außenposten Italiens im Mittelmeer, beträgt 1370 Euro, berichtet Chaima Ben Mahmoude später. Neben ihr und ihrem Freund sind weitere 22 Personen an Bord, die meisten von ihnen junge Männer. Zusammen rund 33.000 Euro Fährpreis sind für die Schlepper ein gutes Geschäft. Auch dann noch, wenn man die erforderlichen Investitionen (Boot, Außenbordmotor, Treibstoff, Rettungswesten) nach einmaligem Einsatz in der Regel vollständig abschreiben muss. Die Entfernung von Sfax nach Lampedusa beträgt rund 190 Kilometer. Rückfahrten sind nicht im Angebot. In Tunesien und anderen Maghreb-Staaten wird die Überfahrt übers Mittelmeer als „harka“ bezeichnet, eine Anspielung auf das „Verbrennen“ von Landesgrenzen und die Vernichtung von Personaldokumenten vor der Abfahrt.

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