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Der Film „Mahana“ bei Arte : Zwei Clans im Clinch

  • -Aktualisiert am

Alt gegen Jung: Simeon (Akuhata Keefe, links) und sein Großvater Tamihana (Temuera Morrison). Bild: Arte/Prokino

Mit „Mahana – Eine Maori-Saga“ zeigt Arte ein Melodram aus Neuseeland – jedoch nicht durch den Blick des Fremden auf das Fremde: Der Regisseur Lee Tamahori erzählt hier von seinen Wurzeln.

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          In einer Dorfschule an der neuseeländischen Ostküste der sechziger Jahre werden Zitate abgefragt. „Die Familie ist eine Tyrannei, in der das schwächste Mitglied die anderen beherrscht.“ Wer hat das gesagt? Der vierzehnjährige Simeon Mahana (Akuhata Keefe) weiß sofort, dass es der Dramatiker George Bernard Shaw war, nicht nur, weil er besonders klug ist, sondern weil er mit dem Satz viel anfangen kann. Denn er lebt unter der Tyrannei eines Schwachen, der seine Unzulänglichkeiten mit Strenge und Brutalität zu verbergen sucht.

          Simeons Großvater Tamihana Mahana (Temuera Morrison) hat es zu etwas gebracht. Einst ein mittelloser junger Mann, steht er nun als Patriarch einer von zwei großen Schafscherer-Familien der Maori vor. Mit dem zweiten Clan, den Poatas, verbindet die Mahanas eine erbitterte Feindschaft. Die Jungen haben den Hass geerbt, die Alten schweigen über dessen Ursprung. Simeon würde den Graben gern überwinden, unter anderem, weil es zwischen ihm und seiner Mitschülerin Poppy Poata (Yvonne Porter) funkt. Zwar kann er die aufkeimende Romanze vor seinem Großvater geheim halten, doch zum Bruch kommt es trotzdem. Kleine Aufmüpfigkeiten genügen, um Tamihana gegen den Enkel aufzubringen, irgendwann fliegen die Fäuste und Simeon samt seinen Eltern vom Familienanwesen. Als sie sich zum jährlichen Scherwettbewerb anmelden, als Rivalen der eigenen Sippe, treibt das den Konflikt auf die Spitze.

          „Die letzte Kriegerin“ brachte ihm den Durchbruch

          Mit „Mahana – Eine Maori-Saga“ kehrt der neuseeländische Regisseur Lee Tamahori zu seinen Wurzeln zurück. Sein Sozialdrama „Die letzte Kriegerin“ brachte ihm 1994 den internationalen Durchbruch, auch hier ging es um eine gebeutelte Maori-Familie mit Temuera Morrison in der Rolle des gewalttätigen Oberhaupts. Nach zwei Jahrzehnten in Hollywood, in denen Tamahori unter anderem „Stirb an einem anderen Tag“ (2002), den letzten Bond-Film vor dem Neustart der Reihe, inszenierte, widmet er sich nun wieder der indigenen Bevölkerung Neuseelands, betrachtet die gesellschaftspolitischen Komponenten diesmal aber eher am Rande. „Das Land verdankt Männern wie dem alten Collins seine Größe. Fleißigen, gottesfürchtigen Männern, die stets zu ihrem Wort standen“, schwärmt Tamihana bei der Beerdigung seines größten Auftraggebers. Man habe sich in schweren Zeiten aufeinander verlassen können, die Maori und die Pakeha, die europäischen Siedler. Die Unterdrückung der Ureinwohner klingt nur gelegentlich an, mit dem mutigen Simeon als Vorreiterfigur für eine selbstbestimmte Zukunft, die für die Maori von den sechziger Jahren in Neuseeland begann.

          Als ein junger Mann der Poatas sich einen Spaß erlaubt und inmitten einer Filmvorführung des Western-Klassikers „Zähl bis drei und bete“ mit seinem Pferd in das provisorische Kino einreitet, wird er dafür mit zwei Jahren Gefängnis bestraft – in einer Gerichtsverhandlung, die keine Minute dauert und die Sprache der Indigenen streng untersagt. „Wenn hier Maorisprechen verboten ist, wie sollen wir Maori uns dann überhaupt verteidigen können?“, fragt Simeon vom Zuschauerrang. Der Richter bedankt sich nachdenklich, Simeons Lehrer lobt ihn für die Widerworte. Die Weißen kommen hier gut weg.

          Tamahori und dem Drehbuchbautor John Collee geht es nach der Romanvorlage des Schriftstellers Witi Ihimaera vor allem um die familiären Konflikte. Zwischendurch locken sie den Zuschauer auf falsche Fährten, mit Erwartungen an einen Western-Showdown oder eine Tragödie à la Romeo und Julia. Es mündet in ein etwas zerfasertes, klassisches Melodram, das überall in Gesellschaften spielen könnte, in denen die persönliche Freiheit durch autoritäre Herrschaftsstrukturen unterdrückt wird. Mit seiner universellen Geschichte bringt Tamahori dem Zuschauer die Maori jenseits kultureller Neugier eines Fremden näher – und dass dies in den endlosen Weidelandschaften Neuseelands in Szene gesetzt wird (Kamera Ginny Loane), lässt manchen erzählerischen Kitsch vergessen.

          Mahana – Eine Maori-Saga, 20.15 Uhr bei Arte

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