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Vor SWR-Intendantenwahl : Grüner Konsens

Kandidatin mit Aussicht: Stefanie Schneider, Landessenderdirektorin Baden-Württemberg des SWR. Bild: dpa

Zwei Kandidaten stellen sich morgen zur Intendantenwahl im SWR: Landessenderdirektorin Stefanie Schneider und Kai Gniffke, Chef der Redaktion ARD-aktuell. Wer soll es werden? Ministerpräsident Kretschmann gibt eine Empfehlung.

          An diesem Mittwoch werden Stefanie Schneider und Kai Gniffke, die beiden Bewerber für die SWR-Intendanz, vor den „Freundeskreisen“ des Senders ihre bisher geheim gehaltenen Zukunftskonzepte vorstellen. Am Donnerstag wählen dann die 92 Mitglieder des Rundfunk- und Verwaltungsrats nach einer weiteren Vorstellung den neuen Intendanten der ARD-Anstalt.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Für den Sender geht es bei dieser Personalentscheidung um viel: In den nächsten Jahren dürfte das Budget aufgrund geringerer Rundfunkbeitragseinnahmen schmaler ausfallen. Die Konkurrenz angesichts der digitalen Medienvielfalt, gerade bei den jüngeren Hörern und Zuschauern, wird noch härter werden. Außerdem ist der SWR zwar die zweitgrößte ARD-Anstalt – der Einfluss des Senders innerhalb des Verbundes der öffentlich-rechtlichen Anstalten entspricht aber schon seit Jahren nicht seiner eigentlichen Bedeutung. Die Zweiländeranstalt mit den Standorten Mainz, Stuttgart und Baden-Baden gilt als schwer reformier- und steuerbar. Vor allem die wegen ihrer SPD-Nähe auch öffentlich kritisierte Mainzer Landessenderdirektorin Simone Schelberg und ihre Stuttgarter Kollegin Stefanie Schneider liegen seit Jahren im Streit, der auch auf das Klima innerhalb des Senders abgefärbt haben soll. Viele Redakteure innerhalb des Senders und zahlreiche Rundfunkräte präferieren auch aus diesem Grund eine „Außenlösung mit ARD-Erfahrung“.

          Weil sich die Findungskommission vorab dafür entschied, den Gremien nur zwei Bewerber vorzuschlagen, können die Rundfunk- und Verwaltungsräte am Donnerstag nur zwischen dem 58 Jahre alten derzeitigen Leiter der Redaktion ARD-Aktuell Gniffke und der 57 Jahre alten Stuttgarter Landessender-Direktorin Schneider wählen. Interessante Bewerber wie der Moderator und Schneider-Stellvertreter Clemens Bratzler oder der NDR-Fernsehchefredakteur Andreas Cichowicz ließ die Findungskommission nicht zu, der SWR-Verwaltungsdirektor Jan Büttner zog seine Bewerbung frustriert zurück und verwies auf den großen Reformbedarf des Senders.

          Der frühere SWR-Intendant Peter Voß hatte das Verfahren in dieser Zeitung heftig kritisiert, der Justitiar des Senders, Hermann Eicher, es wiederum als „frei und unabhängig“ verteidigt. Vor allem die SPD-Gremienmitglieder stehen am Donnerstag im großen Sendesaal in Stuttgart vor einem Dilemma: Sie haben die Wahl zwischen einer den Grünen nahestehenden Kandidatin und dem SPD-Mitglied Gniffke, der auch noch eine Doktorarbeit zur Geschichte der Arbeiterbewegung verfasst hat.

          Jetzt ist er Intendant: Kai Gniffke, bislang Chefredakteur ARD-aktuell.

          Die Frage für die Rundfunk- und Verwaltungsräte sollte sein, wer die internen Konflikte am besten befrieden kann, wer das bessere Zukunftskonzept hat, wer dem SWR mehr Gewicht innerhalb der ARD verleihen kann und wer weiß, wie die digitale Zukunft zu bewältigen ist. In den vergangenen Wochen machten beide Kandidaten für sich Wahlkampf: Gniffke besuchte die Funkhäuser in Mainz und Stuttgart, Stefanie Schneider das in Rheinland-Pfalz. Den zeitaufwendigeren und intensiveren Wahlkampf soll Schneider gemacht haben, sie habe fast mit jedem Rundfunkrat und Verwaltungsrat ein Einzelgespräch geführt, heißt es im SWR. Der Staatsvertrag sieht vor, dass ein Intendant in den Gremien beider Länder eine eigenständige Mehrheit haben muss.

          Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte am Dienstag, es sei eine Entscheidung der Gremien, wichtig sei die Wahrung der „Staatsferne“. Dann ließ er sich aber doch etwas in die Karten schauen: „Dass Führungspositionen bei gleicher Qualifikation stärker mit Frauen besetzt werden sollen, ist allgemein Konsens. Das dürfen nicht nur Sonntagsreden sein.

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