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ZDF-Film über Strafprozess : Der tiefe Sturz des Alexander Falk

Alexander Falk sitzt schon seit mehr als 18 Monaten in Untersuchungshaft. Bild: dpa, Bearbeitung F.A.S.

Alexander Falk ist der Erbe des berühmten Stadtplan-Verlags. In Frankfurt steht er vor Gericht, weil er einen Mord in Auftrag gegeben haben soll. Im Prozess verhält sich Falk einigermaßen bizarr, wie man jetzt auch im ZDF sehen kann.

          2 Min.

          Wenn Alexander Falk das Frankfurter Landgericht betritt, dann ist er kein normaler Angeklagter. Er hält nicht den Kopf gesenkt oder knetet die Hände. Er weint nicht, stammelt nicht und nennt den Vorsitzenden der Strafkammer auch nicht „Herr Richter“, wie es sonst viele Angeklagte tun. Falk ist anders. Er sieht sich nicht als Kriminellen, sondern als den Macher, als der er jahrelang gegolten hat. Als Unschuldigen, ein Opfer der Justiz, das um sein Recht kämpft – zum zweiten Mal in seinem zweiten Prozess. Es gibt Momente, in denen es wirkt, als halte Falk sich für den Herrn des Verfahrens. Wie ein Manager erklärt er der Richterbank dann, wie der Prozess in seinen Augen weitergehen soll.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Verfahren um die Schüsse auf einen Frankfurter Anwalt Anfang 2010, die der Hamburger Unternehmer und Erbe des gleichnamigen Stadtplan-Verlages in Auftrag gegeben haben soll, ist kurios. Es hat im August 2019 begonnen, ein Ende ist nicht in Sicht. Falks Anwälte versuchen mit allen Mitteln, ihren Mandanten aus der Untersuchungshaft zu holen, in der er seit 21 Monaten sitzt. Bei den Richtern sind sie nicht durchgekommen.

          Der Fall hat alles, was eine Kriminalgeschichte mitreißend macht: Einen Angeklagten, der Millionen vermacht bekam und loszog, um noch mehr daraus zu machen, bis er 2004 wegen Betrugs vor Gericht landete und verurteilt wurde. Einen dubiosen Kronzeugen aus der Hamburger Unterwelt, der behauptet, Falk habe den Auftrag erteilt, einen Anwalt zu ermorden, der ihm in einem Zivilprozess sein Vermögen streitig machen wollte. Einen mutmaßlichen Mitwisser und dessen Bruder, der wohl den Anschlag organisierte und den Falk im Gefängnis kennenlernte. Eine Reihe seltsamer Gestalten, die mit den Brüdern und dem Kronzeugen zusammenhängen und an einer jahrelangen Erpressung der Falks beteiligt gewesen sein könnten. Dazu zwielichtige Anwälte und Bestechungsvorwürfe, zerkaute Beweismittel und prügelnde Zeugen.

          Es ist ein undurchdringliches Gewirr, das eine Frage zusammenhält: Ist Falk fähig, einen Anschlag auf einen Anwalt in Auftrag zu geben? Ausgerechnet er, der erfolgreiche, ehrgeizige Geschäftsmann aus der Oberschicht, Familienvater mit fünf Kindern. Oder ist er prädestiniert für einen solchen Racheakt?

          Wer darauf eine Antwort sucht, muss weiter schauen als ins Frankfurter Landgericht. Er muss zurückgehen zum Beginn von Falks Karriere Anfang der neunziger Jahre, wo der damals gerade Zwanzigjährige die Chancen des Internets begriff. Hier setzt die Dokumentation „Abgezockt! – Alexander Falk“ an, die ZDFinfo zeigt. Die Autorinnen haben für ihr Porträt unter anderem mit einem ehemaligen Geschäftspartner, mit Journalisten und einem Wissenschaftler gesprochen. Es gelingt ihnen, sich dem Phänomen Falk zu nähern. Sie erzählen die unglaubliche Geschichte, wie Falk vom Börsenstar des Neuen Marktes zum zweifachen Angeklagten wurde.

          Alexander Falk (Mitte) mit seinen Verteidigern Daniel Wölky (links) und Björn Gercke im Gerichtssaal des Frankfurter Landgerichts.

          Die 45 Minuten machen klar, wie sehr sich in Falks Leben die Dinge wiederholt haben. Schon im Betrugsprozess beteuerte er stets seine Unschuld. Schon dort trat er mit den Worten vor die Kameras, er freue sich, dass es endlich losgehe. Damals war er Anfang dreißig. Beim Auftakt des Frankfurter Prozesses war er gerade 50 geworden. Bereitwillig wiederholte er sein Statement für ein zu spät gekommenes Kamerateam: „Ich befinde mich jetzt seit einem Jahr unschuldig in Untersuchungshaft.“

          Um das Bild des zu Unrecht von der Justiz angegangenen, redlichen Unternehmers in die Öffentlichkeit zu tragen, holte er sich Unterstützung von PR-Beratern. Im Betrugsprozess war es der ehemalige „Bild“-Chef Hans-Hermann Tiedje, von dem sich Journalisten, so zeigt es die Doku, in ihrer schreiberischen Freiheit bedrängt fühlten. Im Frankfurter Prozess warteten die Anwälte der Kölner Medienanwaltskanzlei Höcker mit dicken Mappen auf die Presse, in denen der Fall aus Sicht der Verteidiger dargelegt war. An keinem einzigen Verhandlungstag ist die Kanzlei von Falks Seite gewichen, mit Argusaugen behält sie die Berichterstattung im Blick.

          Wie das Landgericht Hamburg im ersten Prozess werden die Frankfurter Richter irgendwann ihr Urteil fällen. Aber – deshalb ist das Fazit der Doku so treffend – am Ende weiß nur Alexander Falk selbst, wer er wirklich ist.

          Abgezockt! – Alexander Falk läuft am Samstag um 20.15 Uhr bei ZDFinfo.

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