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Hillary Clinton mischt mit : Ich bin zu einer Art Rorschachtest für Frauen geworden

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Ursprünglich sei es bei dem gesammelten Filmmaterial von mehr 1700 Stunden „eher um einen Wahlkampf-Film“ gegangen, sagte Hillary Clinton. Aber Nanette Burstein sei davon überzeugt gewesen, hier gebe es „eine größere Geschichte zu erzählen. Diese handele von der Geschichte weiblicher Emanzipation und des Aufstiegs von Frauen in der Gesellschaft.“ Da sie weder ein Amt anstrebte noch eins innehatte, sagte Clinton, habe sie sich darauf eingelassen. So stellt Nanette Burstein Hillary Clintons Aufstieg von der Jurastudentin in Yale zur First Lady, zur Außenministerin und schließlich unterlegenen Präsidentschaftskandidatin dar und geht dabei der Frage nach, wie Clinton zu einer in den Vereinigten Staaten ebenso angesehenen wie umstrittenen und angefeindeten Persönlichkeit wurde. Sie habe den Film gemacht, sagte Burstein, weil sie Clintons Geschichte als „symbolisch für unseren Umgang mit Frauen“ erachte. „Sie ist eine historische Figur, sie wirkt polarisierend, und ich wollte aufzeigen, wie es dazu kam.“ In dem Film, von dem für die Presse nur Ausschnitte zu sehen waren, kommen Frauen mit der Einschätzung zu Wort: „Ich würde ja eine Frau wählen, aber nicht diese Frau.“

Es sei nicht einfach, sich selbst in Augenschein zu nehmen, sagte Hillary Clinton. Sie müsse sich „eingestehen, dass ich mitverantwortlich bin für viele Falschdarstellungen und Missverständnisse. Ich war nicht gut genug darin, diese Wahrnehmungen zu durchbrechen.“ Sie sei immer wieder überrascht gewesen über Zitate, die aus dem Zusammenhang gerissen worden seien. „Das hat dazu geführt, dass ich noch vorsichtiger und verschlossener wurde, ein Teufelskreis.“ Meist habe sie das einfach abgeschüttelt und nicht weiter darüber nachgedacht. Jetzt sehe sie diesen Film und wünsche sich, „ich hätte einen besseren Weg gefunden“. Auf ihrem Grabstein, sagt Clinton im Film, würde sie gern stehen haben: Sie war weder so gut noch so böse, wie sie dargestellt wurde.

Sie habe sich der öffentlichen Wahrnehmung erst bewusst werden müssen, sagte Clinton. „Ich bin ja zu einer Art Rorschachtest für Frauen und deren gesellschaftliche Rolle geworden, als ich im Rahmen von Bills Präsidentschaftskandidatur die Bühne betrat.“ Als ihr Mann sie seinerzeit gebeten habe, die Gesundheitsreform in Angriff zu nehmen, habe sie dies als nichts Besonderes empfunden, schließlich habe sie Ähnliches bereits in Arkansas getan. Nicht geahnt habe sie, „welchen Backlash die Tatsache auslöste, dass die First Lady den Versuch unternahm, eine bezahlbare und gute Krankenversicherung für alle auf die Beine zu stellen“. Sie sei ein „Blitzableiter“ gewesen. „Die Urteile über mich hatten nicht bloß mit mir zu tun, sondern auch mit dem historischen Moment und der Einstellung gegenüber Frauen.“

Sie hoffe sehr, dass es mit der Betrachtung, Frauen müssten auch in der politischen Öffentlichkeit stets liebenswürdig sein, ein Ende habe. Das sei „Ausdruck einer unfairen und benachteiligenden Doppelmoral. Es muss uns klarwerden, dass Frauen dasselbe Recht auf emotionale Bandbreite haben.“ Die westliche Demokratie, befand Clinton, sei reformbedürftig, aber sie müsse weiterbestehen. Sich am politischen Prozess nicht zu beteiligen sei keine Option. „Nehmen Sie Ihre Stimme ernst“, redete Hillary Clinton dem Publikum ins Gewissen. „Falls Sie demokratisch wählen, geben Sie ihre Stimme dem Kandidaten, der am wahrscheinlichsten gewinnen wird. Denn Gott weiß, was passiert, wenn wir den jetzigen Amtsinhaber nicht in Rente schicken.“ Der aussichtsreichste Kandidat der Demokraten scheint im Augenblick, trotz des Siegs von Pete Buttigieg in Iowa, allerdings Bernie Sanders zu sein.

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