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Debattenkultur in Deutschland : Rettet die Meinung!

  • -Aktualisiert am

Steht schon im Grundgesetz, Artikel 5: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet.“ Bild: dpa

Unsere Debattenkultur zeigt Symptome der Krise. Widerstreitende Ansichten zu schätzen, gerät aus der Mode. Da sind Journalisten besonders gefordert. Ein Gastbeitrag.

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          Die Meinung hat es nicht leicht. Vor allem die veröffentlichte Meinung, die nicht von allen geteilt wird. In aufgeregten Auseinandersetzungen scheint die Meinung an sich noch provozierender als ihr politischer Anlass. Angela Merkels humanitäre Geste in der Flüchtlingskrise war und ist für viele ein Ärgernis. Die öffentlich geäußerte Meinung, dass dies richtig war, ist für viele eine Provokation, die blanken Hass erzeugt. In unserer fast tabulosen westlichen Lebenswelt scheint eine andere Meinung der letzte zarte Hinweis auf ein „bis hierher und nicht weiter“, auf eine rote Linie, die nicht überschritten werden darf.

          Die „New York Times“ ist nicht zu Unrecht stolz auf ihre Kommentare. Inzwischen hat sich ein „Beipackzettel“ eingeschlichen, der den Kommentar kommentiert. Ehrlicher wäre vielleicht der Warnhinweis: „Achtung, dieser Kommentar könnte Sie ärgern!“ Die ARD-„Tagesthemen“ etikettieren ihren traditionellen „Kommentar“ um in „Meinung“. Der Autor dieser Zeilen hatte die Ehre, in dieser Sendung ein paar Jahre regelmäßig auf kommentierende Weise seine Meinung sagen zu dürfen. Und dennoch ist er unsicher, ob der neue Titel eine Entschärfung dieser Rubrik oder eine Zuspitzung bedeuten soll. Ist es „halt nur eine Meinung“ oder ist es „DIE MEINUNG!“?

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