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Zum Verkauf der Washington Post : Der Mythos des heroischen Eigentümers

Robert Redford (r.) und Dustin Hoffman als „Washington Post“-Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein Bild: AP

Die „Washington Post“ ist eine der berühmtesten Zeitungen der Welt, weil sie ihren Reportern im Watergate-Skandal Rückendeckung gab. Die Helden von damals begrüßen heute den Verkauf des Blatts an Jeff Bezos.

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          Die beiden Journalisten, die den Mythos der „Washington Post“ verkörpern, haben sich positiv über den Verkauf der Zeitung an Jeff Bezos, den Gründer der Internetversandhandelsfirma Amazon, geäußert. Dass die „Post“ zu einer der berühmtesten Zeitungen der Welt geworden ist, die eine Zeitlang in einem Atemzug mit der „New York Times“ genannt wurde, liegt an einer einzigen Geschichte. Zwei Lokalreporter, Bob Woodward und Carl Bernstein, gingen den Spuren des Einbruchs ins Büro der Demokratischen Partei im Watergate-Hotel nach, und blieben so hartnäckig bei der Sache, dass Präsident Nixon 1974 zurücktreten musste. Sie hatten die Unterstützung des Chefredakteurs Ben Bradlee und der Verlegerin Katherine Graham, die unverhohlenen Drohungen aus der Regierung gegenüber standhaft blieben.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          So ist die Geschichte eines journalistischen Coups mit historischen Konsequenzen im kollektiven Gedächtnis der Kollegenschaft als Beispiel für ein Modell der heroischen Führung im Mediengeschäft gespeichert. Journalistischer Erfolg, so lautet die berufsethische Moral dieser Geschichte, verlangt die Bereitschaft zum moralischen Risiko. Ökonomische Risikobereitschaft ist nicht genug. Ja, die Vorteile einer ruhigen Geschäftsführung müssen manchmal zurückgestellt werden zugunsten einer Logik der Aufklärung, deren Erträge viele oder doch jedenfalls ein paar mächtige Leser verärgern werden.

          Eine neue Art von Führung

          Woodward ist heute siebzig Jahre alt – erst siebzig, möchte man sagen, so jung war er damals. Bernstein ist ein Jahr jünger. Woodward ist Angestellter der „Post“ geblieben und als Bestsellerautor eine nationale Institution eigenen Rechts, eine Art offiziöser Chronist der geschehenden Geschichte, die Ein-Mann-Variante des „newspaper of record“ für den Buchmarkt. Gegenüber der Internetzeitung „Politico“ charakterisierte Woodward den Ausgang der Verkaufsverhandlungen als ein „sehr gutes Ergebnis“ für sein Blatt. Die Investmentbank Allen & Co. hatte nach Angaben der „Post“ mit sechs seriösen Interessenten Gespräche geführt.

          Bob Woodward (r.) und Carl Bernstein, 1973
          Bob Woodward (r.) und Carl Bernstein, 1973 : Bild: AP

          Den neuen Eigentümer schätzt der Machtmenschenkenner Woodward als einen Mann ein, der „das Geld, die Geduld und die visionäre Begabung“ habe, um aus der Transaktion einen Erfolg zu machen. Während Woodward sich vorsichtig optimistisch äußerte, sieht Bernstein eine Zäsur für die gesamte Medienwelt, die seinen früheren Arbeitgeber noch einmal eine historische Rolle spielen lässt. Er würdigte gegenüber „Politico“ den Verkaufsentschluss der Verlegerfamilie Graham als Anerkennung des Umstands, dass  „eine neue Art von Unternehmertum und Führung” nötig sei, damit die „Post” und „vielleicht das Nachrichtengeschäft selbst“ das Beste der „dauerhaften journalistischen Werte“ mit „dem gesamten Potential des digitalen Zeitalters“ verbinden könnten.

          In Vorschusslorbeeren dieser Art schimmert das alte Modell der heroischen Führung immer noch durch. Nicht nur für die Ausnahmemomente der Abwehr politischen Drucks, sondern für die alltäglichen Geschäfte braucht man jetzt einen Eigentümer von ritterlichem Format. Woodward erweist Donald Graham, dem Sohn Katherine Grahams, zum Abschied seine Reverenz. Er habe den Mut der Bauchentscheidung gehabt und dem „übergeordneten Interesse des Überlebens der Zeitung“ einen letzten Dienst erwiesen.

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