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Verkauf von „La Repubblica“ : Zeitungswende in Italien

Sein Medienimperium geht flöten: Carlo De Benedetti. Bild: CAMERA PRESS/Fabio Frustaci

„La Repubblica“ war die Zeitung, die gegen Italiens Establishment antrat. Jetzt wird sie von diesem gekauft – von der Familie Agnelli. Dahinter verbirgt sich eine Übernahmeschlacht.

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          Ausgerechnet diejenige Zeitung, die einst als Stimme gegen das italienische Establishment gegründet worden war, wird nun von denen übernommen, die wie sonst niemand die etablierten Mächte in Italien repräsentieren – von der Familie Agnelli. Auch als kritische Stimme gegen diese Familie, die in den siebziger und achtziger Jahren fast den Status eines inoffiziellen Königshauses Italiens genoss, war 1976 in Rom die Zeitung „La Repubblica“ gegründet worden, um als linke Stimme gegen das konservative Establishment anzutreten. Der damalige Mitbegründer und langjährige Chefredakteur Eugenio Scalfari, heute 95 Jahre alt, genießt in Italien Kultstatus und publiziert immer noch jeden Sonntag einen langen Leitartikel in der „Repubblica“.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Dass sich ausgerechnet die Agnelli-Familie nun in diesen Verlag einkauft, ist im doppelten Sinne eine Zeitenwende. Jenseits der politischen Orientierungen aus der Vergangenheit schien es lange Zeit, als wolle sich die Familie Agnelli aus dem Mediengeschäft zurückziehen. Das gegenwärtige Oberhaupt der Familie, der heute 43 Jahre alte John Elkann, hatte für einige Jahre auf langen Reisen den Chefredakteuren und Verlegern in aller Welt die Frage gestellt, wie sie sich die Zukunft der Medienbranche vorstellten. 2017 gab er dann die seit 91 Jahren bestehende Kontrolle über die Turiner Zeitung „La Stampa“ auf, indem er seinen Zeitungsverlag mit dem der „Repubblica“ vereinte und sich nur noch mit einem Minderheitsanteil von sieben Prozent an der gemeinsamen Medienholding „Gedi SpA“ begnügte. John Elkann kaufte sich dagegen beim Londoner „Economist“ ein, wo die Familienholding der Agnellis, Exor, nun 43,4 Prozent der Anteile und 20 Prozent der Stimmrechte hält.

          Die unternehmerische Führung des wichtigsten Zeitungsverlages Italiens lag seither bei der Unternehmerfamilie De Benedetti, die bisher offiziell 43,4 Prozent an der börsennotierten Medienholding besaß. Carlo De Benedetti, eine historische Unternehmerfigur Italiens, stand schon kurz nach Gründung an der Seite der „Repubblica“. Nach der Fusion mit „La Stampa“ der Agnellis und der Genueser Regionalzeitung „Il Secolo XIX“ umfasst der Verlag Gedi neben der als nationales Blatt mit zehn verschiedenen Lokalteilen herausgegebenen „Repubblica“ nun dreizehn Lokalzeitungen, die italienische Ausgabe der Internetzeitung „Huffington Post“, das Magazin „Espresso“ sowie drei nationale Radiosender, die zu den meistgehörten des Landes gehören.

          Zuletzt gingen die Geschäfte aber nicht mehr so blendend. Die fetten Jahre mit einer verkauften Auflage der „Repubblica“ von mehr als 600000 Exemplaren, zwischen 1999 und 2007, liegen weit zurück. Zuletzt wurden in gedruckter und digitaler Form 221000 Exemplare der „Repubblica“ verkauft. In den ersten neun Monaten 2019 schrumpfte der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent auf 441 Millionen Euro. Statt eines schmalen Gewinns 2018 wurde für die ersten drei Quartale 2019 ein Verlust von achtzehn Millionen Euro präsentiert. Vor allem aber hat die „Repubblica“, früher zeitweise die meistverkaufte Zeitung Italiens, vorerst das Rennen mit dem Mailänder „Corriere della Sera“ verloren. Der kam zuletzt auf eine verkaufte Auflage von 278000 Stück.

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