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Zum Tode von Reinhard Appel : Als Politiker noch antworteten

Reinhard Appel - 1927 - 2011 Bild: dapd

Reinhard Appel, lange Jahre Chefredakteur des ZDF, versuchte immer die Distanz des Bürgers zur Politik mindern. Etablierte Sendungen wie das „heute journal“ gehen auf ihn zurück. Jetzt ist er im Alter von 84 Jahren gestorben.

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          In seinem Nachruf notiert Markus Schächter, der Intendant des ZDF, über den früheren Chefredakteur des Senders, er, Reinhard Appel, sei „eine der wichtigsten journalistischen Persönlichkeiten in der Nachkriegsgeschichte der deutschen Publizistik“. Daran ist nichts übertrieben. Es war genau so.

          Jochen Hieber

          Freier Autor im Feuilleton.

          Dabei strahlte Appel, zwischen den sechziger und achtziger Jahren eines der bekanntesten Fernsehgesichter der Bundesrepublik, keineswegs Wichtigkeit aus. Auf den Bildschirm war er eher um Ausgleich bemüht, manche seiner Fragen an die weiland Mächtigen wirkten eher betulich als provokativ. Davon jedoch durfte man sich nicht täuschen lassen - Reinhard Appel, das ist sein bleibendes Verdienst, hat den Zuschauern als Staatsbürgern Gewicht und Stimme im noch relativ jungen Medium Fernsehen verschafft. Berühmt wurde die von ihm moderierte Sendung „Journalisten fragen - Politiker antworten“, die von 1963 an, dem Gründungsjahr des ZDF, zunächst bis 1976 gesendet wurde, um von 1979 bis 1991 wiederzukehren.

          In der Zwischenzeit hatte Appel jedoch ein neues Format erfunden und erprobt: „Bürger fragen - Politiker antworten“. Mit ihm und den jeweils eingeladenen Zuschauern wollte er „mehr Distanz zur politischen Bühne“ schaffen, Bürgernähe mithin. Das ging zunächst auch gut, wenngleich die fragenden Bürger ihrerseits aus Medienscheu oft zu brav und formelhaft blieben. Als das Format 1979 dann der wirklichen Intention seines Erfinders sehr nahe kam - holländische Studiogäste befragten den damaligen Oppositionsführer Helmut Kohl einigermaßen aggressiv -, folgte auch sofort der Eklat: Franz Josef Strauß, der Allermächtigste der Bayern, forderte als CSU-Vorsitzender Appels sofortige Ablösung. Appel blieb, die Sendung ging, ihr Impuls überlebte.

          Er gründete das „heute journal“

          Bevor er im April 1976 als Chefredakteur zum ZDF kam, war Reinhard Appel, der nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Redakteur und politischer Reporter bei der „Stuttgarter Zeitung“ reüssiert hatte, drei Jahre lang Intendant des Deutschlandfunks in Köln. Beim ZDF gründete er neben seiner eigenen Arbeit als Moderator einige Sendungen, die bis heute das Programm der Mainzer entscheidend mitprägen: das „heute journal“ und das Magazin „Wiso“ etwa. Aber auch die Anfänge des „Morgenmagazins“ von ARD und ZDF gingen 1986 maßgeblich auf sein Engagement zurück.

          1927 im oberschlesischen Königshütte geboren und in Berlin aufgewachsen, gehörte der siebzehnjährige Appel kurz vor Kriegsende noch zum letzten Aufgebot der Nationalsozialisten. 2006, vor dem Beginn der Fußball-WM, hat er noch einmal beklemmend geschildert, wie er und seinesgleichen einst vom führenden Sportfunktionär Carl Diem im Berliner Olympiastadion eingeschworen wurden. Nach einem erfüllten Ruhestand ist Reinhard Appel nun im Alter vierundachtzig Jahren gestorben.

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