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Zum Tod von Renate Schostack : Kritische Neugier und literarische Phantasie

Renate Schostack (1938 - 2016). Bild: API

Sie war Kulturkorrespondentin der F.A.Z. in London und München und beschrieb gerade ihre letzte Station mit der unverblümten Ironie der Zugereisten. Nebenher schrieb sie Romane. Zum Tod von Renate Schostack.

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          „Welche Rolle hätte eine bürgerliche Schriftstellerin, die nicht verheiratet war und kein Einkommen besaß, zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts in England spielen können?“ So fragte Renate Schostack, Londoner Kulturkorrespondentin der F.A.Z., 1977 nach einem Besuch in Hampshire, im Haus von Jane Austen. Die Besucherin inspizierte den Ort, an dem die berühmten Romane entstanden, mit dem soziologischen Blick der Autorin, mit kongenialer Aufmerksamkeit für das unscheinbare Detail. „Das Schreiben wurde nebenher betrieben, an einem winzigen runden Tisch im Esszimmer.“

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Nicht enttäuscht darüber, dass Jane Austen in ihrer häuslichen Umgebung so wenig von sich preisgibt wie in ihren Büchern, hatte Renate Schostack keine Scheu, den so kunstvoll drapierten Schleier über diesem Frauenleben spekulativ zu lüften: „Wir dürfen vermuten, dass das Thema ihrer Romane nicht bloß der Artistik wegen gewählt war, sondern einer geheimen Obsession entsprang.“ Der kritischen Neugier kam die literarische Phantasie zu Hilfe: Miss Austen hatte Besuch von einer Kollegin.

          Das Schreiben ihrer Romane und Erzählungen betrieb Renate Schostack nebenbei, solange sie in diesem Feuilleton arbeitete, in dessen Redaktion sie 1969 eingetreten war. Am 10. Januar 1938 in Pforzheim geboren, wurde sie in Freiburg mit einer Arbeit über Wieland und Lavater promoviert. 1984 erhielt sie beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt den Preis der Jury für ihre Erzählung „Anrede an Schwester Benedicta“, die Walter Jens als „eine unerbittliche Geschichte“ rühmte. Von 1985 bis 2003 berichtete sie aus München, mit der unverblümten Ironie der Zugereisten. Eine Sammlung ihrer Münchner Feuilletons erschien 2008 unter dem Titel „Die eitle Schöne“ – als wäre die Stadt eine Mädchenfigur von Jane Austen. In München ist Renate Schostack jetzt im Alter von 78 Jahren gestorben.

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