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Zum Tod von Hans Dichand : Der Herrscher von Österreich

Österreichischer Pressezar: Hans Dichand liest mal wieder etwas über Hans Dichand Bild: dpa

Schau in die „Krone“: Vierzig Prozent der Österreicher lesen seine Zeitung, er selbst begriff sich als Sprachrohr des „Volkswillens“. Jetzt ist der Pressezar Hans Dichand im Alter von 89 Jahren gestorben.

          Wenn es jemanden gibt, auf den der Begriff des „Pressezaren“ zutrifft, war es Hans Dichand. In keinem anderen freien Land der Welt dürfte es einen Verleger geben, der mit solcher Inbrunst, Ausdauer und Lust Politik betrieben hätte wie er. Dichand förderte und beerdigte politische Karrieren, hob Regierungen auf den Schild, trug zu ihrer Abwahl bei, bestimmte manchmal sogar den außenpolitischen Kurs in Wien. Er war kein Berlusconi, den es persönlich an die politische Macht drängt, um seine Mediengeschäfte abzusichern, kein Murdoch, dessen Elan um die ganze Welt reicht. Dichand genügte es, in Österreich zu herrschen. Das aber tat er. Am Donnerstag ist er im Alter von 89 Jahren gestorben.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dichands „Kronen Zeitung“ lesen drei Millionen und also mehr als vierzig Prozent aller Menschen im Lande. Wenn der Verleger unter dem Pseudonym „Cato“ zur Feder griff und zum populistischen Angriff blies, ging die gesamte Wiener Politik in Hab-Acht-Stellung – die gesamte, außer dem amtierenden Bundeskanzler Werner Faymann von der SPÖ, den Dichand seit frühesten Tagen gefördert hat. Dichand sei „eine der großen Persönlichkeiten dieses Landes“ gewesen, sagte Faymann, „ein begnadeter Blattmacher und Journalist, der im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte geschrieben hat“. Sein Werdegang habe Österreich und seine Zeitungslandschaft geprägt.

          Die „Krone“ bekämpfte ihre Gegener mit allen Mitteln

          Seine journalistische Karriere begann der gelernte Drucker und Setzer, der am 29. Januar 1921 als Sohn eines Werkmeisters einer Schuhfabrik geboren wurde, direkt nach dem Zweiten Weltkrieg. Er arbeitete für den „Englischen Nachrichtendienst Graz“, führte zuerst die „Murtaler Zeitung“, dann die „Kleine Zeitung“ in Graz und schließlich den „Wiener Kurier“. 1959 gründete er den Zeitungstitel „Illustrierte Kronen Zeitung“ neu, gemeinsam mit dem Marketingmann Kurt Falk machte er daraus das führende Blatt des Landes, mit einer eigentümlichen Mischung aus Boulevard-, Unterhaltungs- und aggressivem Meinungsjournalismus. Wen die „Krone“ zum Gegner erkor, den bekämpfte sie mit allen Mitteln, persönliche Angriffe unter die Gürtellinie inklusive.

          Streitbar, und gar nicht zimperlich: Hans Dichand

          Bald lieferten sich Dichand und Falk einen Kampf um die Zeitung, allein ihre jeweils hälftige Beteiligung band sie aneinander. 1987 konnte Dichand den Rivalen herauskaufen, dafür stieg der Essener WAZ-Konzern mit einem Anteil von fünfzig Prozent bei der „Krone“ ein. Unter den neuen Eigentümern setzte sich der Streit in absurden Volten fort, Chefredakteure wurden berufen und kaltgestellt, Hausverbote ausgesprochen, Dichand ließ nie einen Zweifel daran, dass die „Krone“ sein Werk war, die WAZ stellte ihre Versuche, Einfluss zu nehmen, schließlich ein.

          Cato spricht fürs Volk

          Persönlich geprägt hat Hans Dichand die Not der Nachkriegszeit. „Im Vorhof der Macht“ ist die Autobiographie des Kunstsammlers (Schiele, Klimt, Kubin) überschrieben. „Das Recht geht vom Volke aus“ – nach diesem Grundsatz der österreichischen Verfassung habe Hans Dichand als Chefredakteur und Herausgeber gelebt, schreibt seine Zeitung. Als Sprachrohr des „Volkswillens“ hat sich Dichand alias „Cato“ verstanden.

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