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Zum Tod von Hannelore Elsner : Die, die sich nie geschont hat

  • -Aktualisiert am

Hannelore Elsner (1942 - 2019). Bild: obs

Von Hannelore Elsner musste man, selbst wenn man sie nur hörte, hingerissen sein – von ihrer Präsenz, ihrer Schönheit und ihrer Größe als Mensch. Ein Nachruf.

          Gestern um sechzehn Uhr zehn erfuhr ich, dass Hannelore Elsner tot ist. Die, die sich nie geschont hat, solange ich sie kannte, über fünfundzwanzig Jahre, die immer bis zuletzt blieb, noch eine geraucht und noch ein Glas getrunken hat, noch einmal mitlachte und auch mitweinte, wenn es nötig war, ist nicht mehr – und bleibt doch.

          Niemand, der sie kannte, wird vergessen, wie sie klein und doch groß, unübersehbar, einen Raum betritt, wie jeder und jede sie ansieht, einfach, weil ihr Gesicht auf eine so diskrete Weise schön ist. Das Schöne darin war nicht zu enthüllen, soweit sie nicht selbst etwas davon enthüllte – als sie zum ersten Mal auf mich zutrat, im Gedränge einer Buchmesseparty, war ich fast erschrocken über diese Schönheit, auf die die üblichen Beiworte nicht zutrafen. Hannelore war in allem apart, eine Eigenwelt, mit ihrer auch eigenen Einsamkeit, und zu diesem aparten Wesen gehörte die Stimme, der man nicht müde wurde zuzuhören, eine Stimme, die das Gesagte manchmal in den Hintergrund treten ließ wie das Libretto bei einem tragenden Gesang.

          Man war, auch wenn man sie nur hörte und nicht ansah, hingerissen von Hannelore, und sie wusste, dass Begehren ein Hingerissen-sein ist und kein Austausch, sie wusste es als Frau, die anderen Frauen immer mehr eine Ergänzung als eine Konkurrentin war; als Freundin wusste sie, wo ihren Freunden der Schuh drückt, und tat das Ihre, um zu helfen. Als Mutter aber, und ich habe sie oft in dieser Eigenschaft erlebt, gab sie bis zuletzt das Ihre: eine Fürsorge weit jenseits aller Blitzlichter und allen Beifalls. Ich sah sie auch zuletzt begleitet von ihrem Sohn Dominik, als sie schon etwas von einer Feder hatte, die man wegpusten kann, aber an ihrer Schönheit und Größe als Mensch und als Schauspielerin hat das nichts geändert.

          Hannelore Elsner wird mir und uns bleiben als das Eindringlichste, was im deutschen Fernsehen und im Film zu sehen war, und das Lebendigste, das wir im privaten Kreis erleben durften.

          Der Schriftsteller Bodo Kirchhoff lebt und arbeitet in Frankfurt. Zuletzt erschien von ihm „Dämmer und Aufruhr. Roman der frühen Jahre“.

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