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Zum Tod von Dieter Pfaff : Ein Fach für sich

Dieter Pfaff (1947 - 2013) Bild: dapd

Er war „Bloch“ und „Der Dicke“, seine besten Rollen hat er mitentwickelt: Über den Fernsehschauspieler Dieter Pfaff, der mit fünfundsechzig Jahren gestorben ist.

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          Dieter Pfaff ist etwas gelungen, wovon Schauspieler träumen. Er schuf Rollen und Figuren, die sogar in Serie gingen, nach seinem Bilde. Nicht, woran bei diesem Darsteller alle gleich denken, nach seiner äußeren Erscheinung, sondern nach seinem Bild vom Menschen. Sein Ziel sei es, sagte Dieter Pfaff einmal, seine Nerven außerhalb seiner selbst enden zu lassen, nicht nachhelfen zu müssen, um sich zu vermitteln. Wer diesen Schauspieler in seinen prägenden Rollen gesehen hat, wird sagen müssen: Dies ist ihm gelungen. Er war ein Fach für sich.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dabei dürfte Dieter Pfaff seine erste Karriere geholfen haben. 1947 in Dortmund geboren, kam er erst mit Mitte Dreißig zum Fernsehen, zuvor hatte er am Theater gespielt, sich als Dramaturg und Regisseur betätigt, in Dortmund, Tübingen, am Frankfurter Theater am Turm und Schauspiel in Graz unterrichtet. Dann wechselte Pfaff vor die Kamera und reüssierte zunächst in einer Rolle, die dem äußerlichen Klischee, dem des komischen Dicken, entsprach. In der Serie „Der Fahnder“ spielte er von 1984 bis 1996 das Faktotum Otto, ein Streifenbeamten, dem der Dienst eher Nebenerwerb war zu den skurrilen Geschäften, die er sonst noch betrieb. Dabei, sagte Pfaff einmal, habe er auch aus der eigenen Anschauung geschöpft - sein Vater war Polizist, ein Mann der Ordnung, der zugleich von der Sehnsucht nach Unordnung getrieben gewesen sei. Für seinen Part eines zugeknöpften Vorgesetzten in der RTL-Serie „Balko“ bekam Pfaff seinen ersten Grimme-Preis, für seine Rolle als Franziskanerpater, der zum Familienvater wird in „Bruder Esel“ gleich den zweiten, sehr zum Missvergnügen des damaligen RTL-Geschäftsführers Helmut Thoma, dem die Serie viel zu anspruchsvoll geraten war.

          In dieser Hinsicht aber kannte Dieter Pfaff keine Kompromisse und so traf es sich aufs Beste, dass er gemeinsam mit dem Drehbuchautor Rolf Basedow und dem Regisseur Dominik Graf für das ZDF die Rolle des Kommissars „Sperling“ entwickelte. Dieser Sperling war Mitte der neunziger Jahre bis 2007 mit das Beste, was das ZDF in seinen Samstagsserien zu bieten hatte. Von schonungsloser Härte und einem ungeschminkten Realitätssinn, bar jeder Künstlichkeit, ein aufregender Krimi im Nachwendeberlin, mit einem Helden, der in einer scheinbar ganz und gar mitleidslosen Welt die Liebe zum Nächsten bewahrt, darüber kaum ein Wort verliert und sich dem Übel entgegenstellt, ohne von der Waffe Gebrauch zu machen.

          Zwischendurch spielte Pfaff in einigen Kinofilmen und in zahlreichen Fernsehrollen sämtliche Fächer durch. In Helmut Dietls „Late Show“ war er ein sagenhaft heruntergekommener Talkmaster, in den Fernsehstücken „Verhängnisvolles Glück“ und „Unser Pappa“ spielte er den Familienmenschen, der er jenseits seines Berufes selbst war. Dann kam Pfaffs erfolgreichste Rolle - die des Psychologen „Bloch“, eine Figur, die häufig ebenso versehrt schien wie ihre Patienten, die von einem Augenblick zum nächsten von der Depression in den Übermut fallen konnte. Etwas weniger ausgeprägt war das bei dem Anwalt, den Pfaff in der Serie „Der Dicke“ spielte - ein Mann für scheinbar aussichtslose Fälle mit komödiantischen Qualitäten. In beiden ARD-Serien spielte Pfaff bis 2012 mit großem Erfolg.

          Im Februar hatte er sich noch voller Hoffnung gezeigt, seine schwere Erkrankung besiegt zu haben und neue Folgen der Serie „Der Dicke“ drehen zu können. Die Möglichkeit zu spielen und damit in den Augen anderer zu bestehen, erschien Dieter Pfaff, wie er immer wieder betonte, als großes Geschenk. Am Dienstag ist er im Kreise seiner Familie in Hamburg im Alter von 65 Jahren gestorben.

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