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Zum Tod des Starreporters Mike Wallace : Sind Sie wahnsinnig, Ayatollah?

  • -Aktualisiert am

Mike Wallace im Jahr 2001 Bild: REUTERS

Wenn er seine Fragen mit „Forgive me“ einleitete, war das eine Drohung: Zum Tod des vielbewunderten und hochumstritten Starreporters Mike Wallace.

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          Ein halbes Jahrhundert lang war er für Amerika der Inbegriff des rasenden Fernsehreporters. Nicht nur die Wahrheit interessierte Mike Wallace, sondern auch, wie sie möglichst packend für den Zuschauer aufzubereiten war. Darüber wurde er zum Fernsehstar, vielbewundert und hochumstritten. Interviews, die er mit Politikern und Berühmtheiten aller Couleur führte, endeten nicht selten als Verhöre.

          Er kannte keine Scheu, vor der Kamera ein inquisitorisches Drama zu inszenieren und dabei statt mit Fragen seine Gesprächspartner mit Vorwürfen zu konfrontieren. Vietnam und Watergate boten ihm immer wieder die Möglichkeit, Regierungsmitglieder und Generäle in Verlegenheit zu bringen. Im Gegenzug zwangen sie ihn schon mal dazu, sich vor Gericht zu verantworten. Auch Geld durfte bisweilen für ein sensationsträchtiges Interview fließen, was wiederum zu Kontroversen führte, die für die Zuschauerquote nie abträglich waren.

          Eine endlose Folge dramatischer Szenen

          Für „60 Minutes“, das bis heute populäre Nachrichtenmagazin, das fast ein Vierteljahrhundert die Nummer eins in seiner Sendezeit am Sonntagabend war, arbeitete Wallace mit versteckter Kamera und baute ganze potemkinsche Kulissen auf, um Übeltäter, echte und vermeintliche, vor laufender Kamera zu überführen. Legendär waren seine Wortgefechte, deren schärfste Salven er gern mit einem bedrohlichen „Forgive me“ einleitete.

          Er fragte den Ayatollah Chomeini, ob er wahnsinnig sei, und war bereit, die Nebel des Vietnamkriegs auch mit fragwürdigen Methoden und Bezahlungen zu lichten. Immer unter Hochspannung, spitzte der Mann, der, wie er spät in seiner Karriere enthüllte, an Depressionen litt, die Ergebnisse seines investigativen Journalismus zu einer endlosen Folge dramatischer Szenen zu. Jetzt ist Mike Wallace, Sohn jüdischer Einwanderer aus Russland, dreiundneunzigjährig in New Canaan, Connecticut, gestorben.

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