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Fred Stillkrauth gestorben : Er adelte die zweite Reihe

Fred Stillkrauth (1939 bis 2020) . Bild: Picture-Alliance

Ein Charakterdarsteller, der viel zu oft Nebenrollen bekam: Zum Tod des Münchner Schauspielers Fred Stillkrauth. Ein Nachruf.

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          Der Münchner Volksschauspieler Fred Stillkrauth ist gestorben, so melden es die lokalen Medien. Ein Volksschauspieler, das war er auch. Zu erleben bei vielen Auftritten im „Komödienstadel“, in zahlreichen Filmen und Serien der Heimat-Schiene des Bayerischen Fernsehens. Aber das war nur die eine Seite des 1939 in München geborenen und dort an der Otto-Falckenberg-Schule ausgebildeten Schauspielers.

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Sogar einen Abstecher in die Welt des internationalen Films verzeichnet dessen lange Laufbahn: 1977 spielte Stillkrauth den Obergefreiten Karl „Schnurrbart“ Reisenauer in Sam Peckinpahs „Steiner – Das Eiserne Kreuz“ an der Seite von Stars wie James Coburn, Maximilian Schell und James Mason. In jenen Jahren nahm auch die Fernsehlaufbahn Stillkrauths Fahrt auf; die Bildschirmpräsenz verdeckt womöglich, dass er zunächst ein Mann des Theaters war. Ensemblemitglied an den Münchner Kammerspielen, am Schauspiel Frankfurt und am Bayerischen Staatsschauspiel. Nach Fritz Straßners Tod im Jahr 1993 übernimmt er die Titelrolle in Kurt Wilhelms Theaterstück „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“. Und als Dieter Dorn 2011 mit Kleists „Das Käthchen von Heilbronn“ seinen triumphalen Abschied vom Residenztheater nimmt, spielt der langjährige Weggefährte Stillkrauth natürlich mit.

          Franz Xaver Bogner besetzt ihn regelmäßig in der Gerichtsserie „Café Meineid“, in der Schlachthofserie „Zur Freiheit“ gibt er den Metzgermeister Summerer. Willy Purucker stellt ihn in der „Löwengrube“ als Kriminaler Lederer an die Seite des großen Jörg Hube. Mit dem zusammen hat er im „Tatort: Der oide Depp“ von 2008 endlich und hochverdient eine Hauptrolle – als pensionierter Kriminaloberkommissar „Opa“ Sirsch.

          Mit gepflegtem grauen Vollbart, kleiner runder Brille und kritischem Blick beherrschte Stillkrauth neben dem Kracherten auch die leise Nachdenklichkeit des Skeptikers und gab den Gutmütigen, der Menschenfreundlichkeit raffiniert hinter seinem Grant versteckt. Fred Stillkrauth war der Beweis, dass München und das Schauspielgewerbe auch ohne Angeberei und Selbstdarstellung zu haben sind. Am vergangenen Freitag ist er im Alter von einundachtzig Jahren gestorben. Natürlich in seiner Heimatstadt.

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