https://www.faz.net/-gqz-9h6uy

Reporter Dagobert Lindlau tot : Der Unbeugsame

  • Aktualisiert am

Dagobert Lindlau (1930 - 2018). Bild: Picture-Alliance

Dagobert Lindlau war als Reporter, Rechercheur und Korrespondent bekannt für seine aufrechte Haltung. Nun ist der Journalist, der fast vierzig Jahre lang für den Bayerischen Rundfunk arbeitete, im Alter von 88 Jahren gestorben.

          Der Journalist und Schriftsteller Dagobert Lindlau ist tot. Er starb am heutigen Freitag im Alter von 88 Jahren in München. Lindlau war fast vierzig Jahre lang für den Bayerischen Rundfunk tätig. Er machte sich als kritischer Reporter, Auslandskorrespondent und Moderator einen Namen.

          Geboren am 11. Oktober 1930 in München, begann Dagobert Lindlau seine berufliche Karriere als Zeitungsreporter. Er schrieb Kurzgeschichten für Zeitungen und Zeitschriften und assistierte bei amerikanischen Spielfilmen. Außerdem übersetzte er Theaterstücke und schrieb Filmdrehbücher. 1954 kam er als Fernsehreporter zum Bayerischen Rundfunk. Er zählte zu den Mitbegründern des ersten Fernsehmagazins „Anno“. 1965 wurde Lindlau Chefreporter des BR. Von 1967 bis 1969 leitete er zusammen mit Hans Heigert das Magazin „Report“. 1973 übernahm er die Moderation der Magazine „Kompaß“ und „Weltspiegel“.

          Lindlau gestaltete Features, Reportagen und Kommentare. Beachtung fanden seine Sendungen „Perry Mason lebt“ (Grimme-Preis), „Der faschistische Antifaschismus“, ein Interview mit Max Horkheimer (Grimme-Preis), die Porträts „Willi Brandt“ und „Rainer Barzel“, „Der Lügendetektor, genannt 'the box'“, „Die Bedrohung - Recherchen zum Organisierten Verbrechen“ (1981; mit H. Lechleitner), „Raumstation Bonn“ (1983; mit H. Lechleitner). Lindlau war auch Gastgeber der Talkshow von Radio Bremen, „III nach neun“.

          1987 ging Lindlau als ARD-Korrespondent nach Wien. Im selben Jahr erschien sein Sachbuch-Bestseller „Der Mob - Recherchen zum organisierten Verbrechen“. 1990 kehrte er als Chefreporter zum Bayerischen Rundfunk zurück, wo er allerdings, nach eigenen Worten, „weder Büro noch Schreibtisch oder Telefon vorfand", was seines Erachtens die Quittung für seine Konsequenz und parteipolitische Unabhängigkeit war. Lindlau beschäftigte sich mit unangenehmen Themen - wie dem organisierten Verbrechen -, und eckte mit seinen Recherchen vielfach an.

          Ende 1992 ging Lindlau in Ruhestand, hernach probierte er es noch einmal kurz als Moderator beim Privatsender Vox. Für Aufsehen sorgte er 1990 mit dem Buch „Rakket - Ein Hit von Charlie Fuchler“, das von einem fiktiven Fernsehsender handelt, in dessen Hierarchie Querköpfe ausgeschaltet werden. Das konnte man durchaus als Kommentar zu seiner eigenen beruflichen Laufbahn verstehen.

          Das journalistische Credo von Dagobert Lindlau sei es gewesen, sich immer selbst vor Ort ein Bild zu machen, schrieb der Bayerische Rundfunk zum Tod des Reporters. Mit ihm verliere man „einen unbeugsamen, unverrückbaren und unerschrockenen Journalisten“, sagte der BR-Chefredakteur Christian Nitsche. Dagobert Lindlau habe „jederzeit aufrecht“ gestanden und Unabhängigkeit verkörpert. „Sagen, was ist, ob es gefällt oder nicht, dies war sein Prinzip.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klimastreik in Berlin : Rackete for Future

          Beim großen Klimastreik in Berlin überlassen die Aktivisten von „Fridays for Future“ anderen die Bühne. Es sollte der Auftakt sein für ein breites gesellschaftliches Bündnis. Doch noch prallen Welten aufeinander.
          Ihnen reicht der Kompromiss nicht: Wie in Berlin demonstrierten Hunderttausende

          Kompromiss und Proteste : Was in der langen Nacht geschah

          Erst war das Klimaschutzgesetz fast am Ende, dann kam der Protest – und dann stritt das Kabinett eine Nacht lang. Jetzt sonnt sich die Politik im Glanz der Einigung. Währenddessen dröhnt der Protest Hunderttausender.
          Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Adam Schiff von der Demokratischen Partei, am Donnerstag im Kongress

          Whistleblower belastet Trump : Die Spur führt nach Kiew

          Ein Mitarbeiter des Geheimdienstes macht Donald Trump schwere Vorwürfe. Dessen Regierung versuchte, die Informationen des Whistleblowers zu unterdrücken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.