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Modeautor André Leon Talley : Immer in Mode

War er da, waren die Frauen glücklich: André Leon Talley Bild: F.A.Z.

Als „Editor at large“ der „Vogue“ und Stilberater der Obamas wurde er legendär: Der Moderedakteur André Leon Talley ist im Alter von 73 Jahren gestorben.

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          Als Karl Lagerfeld in den Siebzigern mit einem Tross von Gefolgsleuten und Journalisten im Beverly Hills Hotel eincheckte, hieß es an der Rezeption: „Wir haben ein Problem. Dieser Mann kann nicht bei uns wohnen.“ Gemeint war André Leon Talley, der einzige Schwarze in der Gruppe, damals Redakteur von „Women’s Wear Daily“. Lagerfeld, für den Diversität schon damals kein Fremdwort war, sagte: „Dann gehen wir alle.“ Die Drohung half: Talley wurde schließlich in einem der Hotel-Bungalows untergebracht, und die Gruppe blieb.

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          André Leon Talley stammte aus einer anderen Zeit, aber mit Rassismus und Homophobie ragt sie bis in unsere Tage. Der Mode-Impresario, der am Dienstag im Alter von 73 Jahren in einem Krankenhaus in New York gestorben ist, hatte immer gegen Verachtung zu kämpfen. Dass er zu einer der wichtigsten Figuren in der Modeszene wurde, hatte damit zu tun: Er musste sich eine Autorität erarbeiten, die er mit donnernden Worten auch ausübte, um über den Hass gegen einen schwulen Schwarzen hinaus­zuwachsen. Und weil der Zwei-Meter-und-drei-Zentner-Mann so gar nicht dem Einheitsbild entsprach, das in der ersten Reihe der Modenschauen und in der „Vogue“-Redaktion an der 42. Straße allzu lange gepflegt wurde.

          Am Anfang seines Wegs in die höheren Etagen stand seine Großmutter, die den Jungen im ländlichen North Carolina förderte. Das Fordern erledigte „Vogue“-Chefin Diana Vreeland, die ihn entdeckte. Ein unbestechliches Auge für Stil, gute Beziehungen zu Designern von Yves Saint Laurent bis Marc Jacobs, keine Wortfindungs­störungen in der Bilderbranche: Talley war der ideale Schönschreiber, zu­nächst für „Interview“ und „W“, später für die amerikanische „Vogue“.

          Andy Warhol legte ihm „seine fahle weiße Hand in den Schritt“, Lagerfeld versorgte ihn mit Kaftanen, Hemden und 50.000 Dollar zum 50. Geburtstag, Chefredakteurin Anna Wintour baute ihn zu ihrem zweiten Mann auf. Auch als Redakteur war er Marketingmann. Gloria von Thurn und Taxis berichtete jedenfalls über seine Anwesenheit im Couture-Salon von Chanel: „War ­André da, waren die Frauen glücklich und haben viel gekauft.“ So wird man bei der „Vogue“ zum „editor at large“.

          Und zur Legende. Er beriet die Obamas in Stilfragen, war Juror in der Sendung „America’s Next Top Model“, schrieb Bücher und unterrichtete. 2013 ließ Anna Wintour ihn fallen. Die finale Kränkung: 2018 ersetzte sie ihn sogar als Reporter am roten Teppich der Met Gala, durch einen Youtube-Star: „Ich war ihr zu alt, zu dick und zu uncool.“ Seine Erinnerungen „The Chiffon Trenches“ (2020) wurden zur Abrechnung. Am Ende hatte man ihn auch noch wegen seines Alters und ­seines Gewichts diskriminiert.

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