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Früherer SFB-Intendant : Journalist Horst Schättle gestorben

Horst Schättle (1939-2020). Bild: obs

Horst Schättle hat als Journalist das politischen Fernsehen der alten Bundesrepublik mitgeprägt. Jahrelang wirkte er beim ZDF. Dann ging er zum SFB und wurde Intendant. Nun ist er im Alter von achtzig Jahren gestorben.

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          Horst Schättle war einer der Journalisten, mit denen das Fernsehen der alten Bundesrepublik verbunden wird, vor allem das ZDF. Unzählige Programme und Runden aus der Bonner Politik hat er moderiert und verantwortet, er führte durch Wahlabende, war Reporter und Korrespondent, bevor er den letzten Sprung auf der öffentlich-rechtlichen Karriereleiter machte und Programmchef und dann Intendant des Sender Freies Berlin (SFB) wurde.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das war im Jahr 1998, als die ARD in einem zweiten Schritt zu realisieren begann, was die deutsche Einheit für den Senderverbund bedeutete. Den Norden der ehemaligen DDR hatte der NDR seinem Sendegebiet zugeschlagen, neu entstanden waren der Mitteldeutsche und der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg. Dieser aber war, ebenso wie der Hauptstadtsender SFB, zu klein, um neben den anderen zu bestehen. Eine Fusion lag nahe. Diese befürwortete Schättle zunächst nicht, erkannte ihre Notwendigkeit aber bald doch und – wurde wie sein ORB-Pendant Hansjürgen Rosenbauer, zu einem Intendanten des Übergangs. Die Führung des neuen, fusionierten Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) übernahm 2003 die Intendantin Dagmar Reim.

          Geboren am 9. Dez. 1939 als Sohn eines Kaufmanns in Oberndorf am Neckar, studierte Schättle Wirtschaftswissenschaften und Politik in Mannheim und Saarbrücken. 1965 begann er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politische Wissenschaften in Mannheim, 1967 ging er als freier Journalist zum ZDF. Dort machte er schnell Karriere: Von 1968 bis 1971 wirkte Schättle als Korrespondent in Bonn, leitete darauf die Redaktion der „heute“-Nachrichten, wurde 1977 Chef der Redaktion Innenpolitik, 1983 wurde er Korrespondent in Frankreich. Im Sommer 1989 ging er als Programmchef zum SFB. Dort knüpfte er an sein Wirken beim ZDF an, wo er in all den Jahren an der Planung und Umsetzung politischer Sendungen beteiligt war, und baute das dritte Programm „B1“ zum Vollprogramm aus.

          Schättle sei einer „der entscheidenden Wegbereiter“ der Fusion von SFB und ORB gewesen, sagte die RBB-Intendantin Patricia Schlesinger. „Journalistische Kompetenz und medienpolitische Weitsicht gingen bei ihm Hand in Hand“ so habe er „zentrale programmliche und strukturelle Akzente setzen“ können. In der Nacht zu Montag ist Horst Schättle im Alter von 80 Jahren gestorben.

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