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Zum Tod Elisabeth Wiedemanns : Sie wusste, wie sie wirkte

Elisabeth Wiedemann, 1926 bis 2015 Bild: Picture-Alliance

Mit einem Minimum an Aufwand die maximale Wirkung erreichen – das ist der Schauspielerin Elisabeth Wiedemann immer wieder gelungen. Jetzt ist „die Frau von Ekel Alfred“ im Alter von 89 Jahren gestorben.

          Heute werden Schauspielerinnen dafür gerühmt, wenn sie einmal ungeschminkt auftreten – als ob das eine Leistung wäre. Wer dagegen eine Schauspielerin sehen will, die mit einem Mut zur Selbstverleugnung sondergleichen zur Tat schritt, sollte sich Elisabeth Wiedemann in alten Folgen von „Ein Herz und eine Seele“ anschauen. Wie die 1926 in einem kleinen Ort bei Bremen als Kaufmannstochter geborene Schauspielerin in der Rolle von „Ekel“ Alfred Tetzlaffs Ehefrau Else die naive Kleinstbürgerliche gab, gerüstet gegen die Gehässigkeiten ihres Gatten und andere familiäre Unbilden mit Kittelkleidern, Haarnetzen oder durchaus auch mal mit einer dicken Schicht Allzweckcreme im Gesicht, wie sie ihrer markanten Stimme diesen speziellen knarzenden Ton verlieh, um die nächste Pointe zu setzen („Ach, Alfred!“), und einen Blick aufsetzte irgendwo zwischen Entgeisterung, Einfalt und stoischem Gleichmut – das war unnachahmlich und blieb haften.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Beinahe unvorstellbar, dass hier eine frühere Balletttänzerin auftrat, die in Berlin bei Tatjana Gsovsky gelernt und an der Staatsoper Berlin auftrat, bevor Gustaf Gründgens sie 1951 an das Düsseldorfer Schauspielhaus holte. Auf die Frage, was sie von ihm gelernt habe, antwortete Elisabeth Wiedemann einmal: „mit einem Minimum an Aufwand ein Maximum an Wirkung zu erreichen.“ Stationen an den Bühnen von Frankfurt, Hamburg und Wien folgten; am Deutschen Theater in Santiago de Chile führte Elisabeth Wiedemann auch Regie.

          Elisabeth Wiedemann (r.) mit Gustl Halenke (l.) und Christiane Hörbinger bei einer Probe zu „Wenn wir verheiratet sind“ im November 1982 in Köln

          Ihre Bestimmung aber wurde, obwohl sie schon 1947 Erfahrungen mit dem Film sammelte, das Fernsehen. Wolfgang Menge, der Schöpfer von „Ein Herz und eine Seele“, entdeckte sie für seinen bitterbösen, weit über seine Zeit hinausblickenden Fernsehfilm „Das Millionenspiel“, in dem der Kandidat einer Fernsehshow vor einem Auftragsmörder fliehen muss. Sie spielte in Egon Monks Zweiteiler „Die Geschwister Oppermann“, arbeitete als Hörspiel- und Synchronsprecherin und trat in zahllosen Fernsehrollen auf – von „Tatort“ über „Derrick“ bis zur „Schwarzwaldklinik“ und zuletzt 2012 in einer Folge von „Der Dicke“.

          Dass sie auch Jahrzehnte nach dem Ende von „Ein Herz und eine Seele“, deren letztes lebendes Ensemblemitglied sie war, noch immer als Else Tetzlaff identifiziert wurde, nahm sie mit Gleichmut: Dann müsse es doch gut gemacht gewesen sein. Elisabeth Wiedemann lebte bis zu dessen Tod mit ihrem ersten Ehemann Richard Lauffen zusammen, ihr zweiter Mann Werner Mengedoht starb vor fünf Jahren. Nun ist die Schauspielerin im Alter von 89 Jahren im oberbayerischen Marquartstein, wo sie zuletzt in einem Pflegeheim wohnte, gestorben.

          Sie waren „Ein Herz und eine Seele“: Heinz Schubert als Vater Alfred Tetzlaff, Elisabeth Wiedemann als seine Frau Else, Hildegard Krekel als Tochter Rita (rechts) und Diether Krebs als Schwiegersohn Michael.

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