https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/zum-neunten-mal-ist-der-rolf-joseph-preis-vergeben-worden-18396280.html

Rolf Joseph Preis 2022 : Denn sie sind nur das: Menschen!

Gewinner des diesjährigen Rolf Joseph Preises: 6. Klasse der Findorff-Realschule Bremervörde, 10. Klasse des Landfermann-Gymnasiums Duisburg und 11. Klasse der Albert-Einstein-Schule Schwalbach/Taunus Bild: Martin Walz

Jugend schreibt gegen das Vergessen: Zum neunten Mal ist im Jüdischen Museum Berlin der Rolf Joseph Preis verliehen worden. Die Gewinner sind Schülerinnen und Schüler von Klasse 6 bis 11.

          4 Min.

          Zum neunten Mal ist im Jüdischen Museum Berlin der Rolf Joseph Preis verliehen worden. Im Gedenken an den 2012 gestorbenen Holocaustüberlebenden Rolf Joseph werden mit ihm jedes Jahr Schülerprojekte ausgezeichnet, die sich auf herausragende Weise mit Themen des deutsch-jüdischen Lebens „damals und heute“ beschäftigen. „Damals“, darunter wird oft das düsterste Kapitel in dieser Beziehungsgeschichte verstanden – die Beiträge zu den ausgelöschten Biographien hinter Stolpersteinen oder zum menschenverachtenden Alltag in KZ-Lagern sind Jahr ums Jahr erschütternd und mahnen allen neuen, insbesondere neokolonialistischen Aufrechnungstendenzen zum Trotz die Notwendigkeit an, sich die einzigartige Leidensgeschichte deutscher Juden immer und immer wieder deutlich vor Augen zu führen.

          Simon Strauß
          Redakteur im Feuilleton.

          Aber es geht dem Preis auch darum, die Beschäftigung mit dem Leben deutscher Jüdinnen und Juden „heute“ zu fördern. Einsendungen zu motivieren, die sich den vielfältigen Riten und Festen innerhalb der jüdischen Tradition widmen oder ganz direkt von der Begegnung mit gleichaltrigen Jüdinnen und Juden berichten.

          Initiiert wurde der Preis von der Joseph Gruppe e. V., einer Vereinigung von ehemaligen Berliner Schülerinnen und Schülern, die während ihrer Schulzeit selbst die Bedeutung einer handfesten Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte jenseits des Lehrplans erfuhren und sich über Jahre hinweg mit dem Holocaustüberlebenden Rolf Joseph zum Gespräch trafen. Aus den Erlösen einer Biographie, die die Schülergruppe über ihn verfasste, wurde der Preis ursprünglich gestiftet. Mittlerweile hat die Joseph Gruppe weitere Förderer an ihrer Seite – unter anderem die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft und auch die F.A.Z., auf deren „Jugend schreibt“-Seite die Gewinnerbeiträge veröffentlicht werden.

          Facetten jüdischer Identität

          In diesem Jahr wurden aus über fünfzig Einsendungen drei sehr unterschiedliche Beiträge ausgewählt und nun im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung im Jüdischen Museum ausgezeichnet. Den dritten Platz erhielt die 6. Klasse der Findorff-Realschule Bremervörde für die Erstellung eines „Gallery-Walks“ zu verschiedenen Facetten jüdischer Identität. Angeregt durch einen Artikel in der Lokalzeitung zu den Verschleppungen von Juden in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, hat die Klasse außerdem eine szenische Darbietung von Ilse Webers Wiegenlied „Wiegala“ erarbeitet, das die Autorin geschrieben hatte, kurz bevor sie zusammen mit ihrem Sohn in Auschwitz ermordet wurde.

          Mehr Normalität fordert der junge jüdische Festredner Yan Wissmann Bilderstrecke
          Rolf Joseph Preis : Rolf Joseph Preis vergeben

          Eher gesellschaftspolitisch orientiert war der Beitrag der 10. Klasse der Albert-Einstein-Schule Schwalbach/Taunus, die mit ihrer filmischen Dokumentation „Na, alles koscher?!“ den zweiten Platz belegte. In einer aufwendig geschnittenen Filmreihe stellt die Klasse einerseits verschiedene Repräsentanten der jüdischen Community aus dem Frankfurter Raum vor (etwa die Ardinast-Brüder oder den Gabbai der Westend-Synagoge), andererseits konfrontiert sie ihr Publikum auf charmante Weise mit ihrer eigenen Unkenntnis. Wie lebt man glattkoscher? Was unterscheidet eine Kirche von einer Synagoge? Woher kommt der Ausdruck „Schmiere stehen“ – vom hebräischen „Schmira“, der „Wache“. Mit ihren vielseitigen kurzen Dokumentarfilmen unterstreicht die 10. Klasse, dass Jüdischsein eben nicht einfach gleichzusetzen ist mit einem religiösen Bekenntnis, sondern sich dahinter immer auch ein Wimmelbild aus Sprache, Kultur und Geschichte verbirgt.

          Weitere Themen

          „Bild“ ist komplett

          Neue Chefredaktion : „Bild“ ist komplett

          Die Chefredaktion von „Bild“ ist vollständig. Johannes Boie ist deren Vorsitzender, Robert Schneider kommt hinzu, Alexandra Würzbach und Claus Strunz bleiben.

          Topmeldungen

          Viel Zeit bleibt nicht: In eineinhalb Jahren steht für Hansi Flick und die Nationalmannschaft die Europameisterschaft im eigenen Land an.

          Der Bundestrainer bleibt : Schlechte Voraussetzungen für Flick

          Was seit dem WM-Aus passiert ist, lässt schwer auf eine erfolgreiche Zukunft der Nationalelf mit Hansi Flick hoffen. Der DFB geht ein großes Risiko ein – es fühlt sich so an, als hätte man das alles erst erlebt.
          Zugriff: Polizisten führen am Montag Prinz Reuß ab

          Plante Umsturz : Wer ist Heinrich XIII. Prinz Reuß?

          Eine Gruppe aus der „Reichsbürger“-Szene plante offenbar den Umsturz der demokratischen Ordnung Deutschlands. Rädelsführer soll ein Prinz aus Frankfurt sein – mit Hang zur Esoterik und Geldproblemen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.