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Das Autowrack der Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia, illustriert von Tobi Frank Bild: tobifrank.com

Daphne Caruana Galizia : Mord als Symbol

  • -Aktualisiert am

Nach einer jahrelangen Hasskampagne wird die Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia 2017 von der mafiösen Elite in Malta ermordet. Ihre Berichte über das organisierte Verbrechen bleiben als Vorbild.

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          Seit Daphnes Tod wissen wir: Journalisten bringen sich nicht in die größte Gefahr, wenn sie aus Kriegsgebieten berichten, sondern wenn sie Korruption im eigenen Land aufdecken.“ – Der erschütternde Satz stammt von Corinne Vella. Ich lerne sie in Berlin auf dem Kongress „Coreact“ des Vereins „Mafianeindanke“ kennen. Es sind Aktivisten aus ganz Europa anwesend: Gemeinsam nehmen wir an einer Gedenkveranstaltung für die 2017 in Malta ermordete Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia teil. Corinne ist Daphnes Schwester. Besonnen spricht sie auf der Bühne über die Bedeutung von Daphnes tragischem Tod für die Aufklärung organisierter Verbrechen und die Pressefreiheit in Europa. Erst im persönlichen Gespräch aber bekomme ich ein Gespür für die Trauer und Erschöpfung, die auf Daphnes Familie lastet. Etwa wenn Corinne erzählt, wie dankbar sie für kleine zugesteckte Briefe mit Solidaritätsbekundungen oder das Angebot einer Freundin ist, ihr etwas Essen vorbeizubringen, während sie selbst unzählige Interviews führt und dafür kämpft, dass die Justiz in Malta endlich ihre Aufgabe erfüllt.

          Daphne publizierte ihr Leben lang zu heiklen politischen Themen: Sie kritisierte totalitäre Regime weltweit, schrieb über die Verbindungen zwischen organisiertem Verbrechen und politischen Eliten, über Nepotismus und Geldwäsche. Zuletzt wertete sie für Malta die „Panama Papers“ aus und belastete dabei als Erste die maltesischen Politiker Konrad Mizzi und Keith Schembri, wofür sie vom Magazin „Politico“ zur „Eine-Frau-Wikileaks“ gekürt wurde. Als ihrer Schwester Corinne bewusst wird, dass weder die Politik noch Polizei oder Strafverfolgung ein Interesse an der Aufdeckung des Mordes zu haben scheinen, wendet sie sich an die EU. Seit dem Mord ist die Aufklärung des Falls zu ihrem Full-Time-Job geworden. Ihr Engagement führte dazu, dass eine Resolution des Europarates unabhängige Ermittlungen im Land überhaupt erst möglich gemacht hat und zwei Jahre nach dem Mord wieder Hoffnung auf Wahrheit und Gerechtigkeit besteht.

          Wer waren die Hintermänner?: Denkmal für die getötete maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia

          Alles beginnt mit der in Dubai registrierten Offshore-Gesellschaft 17 Black, die laut der „Panama Papers“ dem maltesischen Großunternehmer Yorgen Fenech gehört. Die Firma zahlt Schmiergelder an die in Panama ansässigen Unternehmen maltesischer Politiker, darunter der ehemalige Energieminister Konrad Mizzi und der Kabinettchef Keith Schembri, der im November zurücktreten musste. Die illegalen Zahlungen sollen der Firma Electrogas der Tumas Group, dessen Leitung Yorgen Fenech 2014 von seinem Vater übernommen hat, den Auftrag für den Bau eines 450 Millionen Euro teuren Gaskraftwerks garantieren. Unter den Investoren ist auch das deutsche Unternehmen Siemens. Daphne Caruana Galizia deutet auf ihrem Blog an, dass sie über den Korruptionsskandal berichten und damit hochrangige Politiker belasten wird. Daraufhin wird sie am 16. Oktober 2017 vor ihrem Haus am helllichten Tag durch eine Autobombe ermordet.

          Von den Behörden übergangen

          Während der Premierminister Joseph Muscat den Hauptverdächtigen Keith Schembri deckt und über die Mordermittlungen informiert, wird Daphnes Familie von den Behörden übergangen: Als Schembri entlassen wird, erfährt sie von der sehr kurzen polizeilichen Mitteilung über die sozialen Medien.

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