https://www.faz.net/-gqz-aakz6

Dokufilm „Die Unbeugsamen“ : Interview mit einem Killer

Er nahm Mordaufträge von Roberto Duterte an: Szene aus dem „Film „Die Unbeugsamen – Gefährdete Pressefreiheit auf den Philippinen“. Bild: Dreamer Joint Venture

Der Dokumentarfilm „Lovemobil“ flog als Inszenierung auf. Das erschüttert die Branche. Die „Zeit“ kommt nun mit einem neuen „Fall“. Doch liegen die Dinge bei „Die Unbeugsamen“ von Marc Wiese wohl anders.

          5 Min.

          Die Debatte über den Dokumentarfilm „Lovemobil“ war kaum verklungen, da glaubte die „Zeit“ in der vergangenen Woche mit dem nächsten Skandal aufwarten zu können. Der Fall „Lovemobil“ ist eindeutig. Szenen, die Prostituierte zeigen sollten, die an Bundesstraßen in Niedersachsen ihre Sexdienste anbieten, waren mit Darstellerinnen inszeniert. Transparent machte das die Filmemacherin Elke Lehrenkrauss nicht. Dem NDR, der den Film mitproduziert hatte, fiel die Sache auf. Der Film wurde gesperrt, die Autorin entschuldigte sich und gab den Deutschen Dokumentarfilmpreis, den sie im vergangenen Jahr gewonnen hatte, zurück. Aus der Nominierungsrunde für den Grimme-Preis flog die Dokumentation ebenfalls heraus. Der Film „Die Unbeugsamen – Gefährdete Pressefreiheit auf den Philippinen“ von Marc Wiese, den sich die Autorin Katja Nicodemus in der „Zeit“ vornahm, bleibt für den Grimme-Preis nominiert. Und das hat seinen Grund.

          Michael Hanfeld
          (miha.), Feuilleton

          Die Vorwürfe nämlich, welche die „Zeit“ dem renommierten Dokumentarfilmer Wiese macht, sollte man sich schon genauer ansehen. Der wesentlichste Einwand lautet, Wiese habe das Interview mit einem Auftragsmörder, der vor der Kamera zugibt, auf Anweisung des heutigen Präsidenten Rodrigo Duterte Menschen getötet zu haben, gar nicht selbst geführt. Das freilich hat Wiese auch nie behauptet. Er hat im Gegenteil darauf hingewiesen, dass er das Gespräch nicht selbst führte, sondern dies ein lokaler Producer übernahm, mit dem er zusammengearbeitet hat. Im Film ist im Off-Kommentar zwar Wieses Stimme zu hören, damit ist aber nicht die Behauptung verbunden, dass er selbst der Interviewer vor Ort war. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied. Der Produzent des Films habe dies so gewollt, der auftraggebende Südwestrundfunk sei, wie Wiese im Gespräch sagt, informiert gewesen. Das bestätigte der SWR auf Anfrage.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung plus

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          An der Goldküste des Zürichsees entwickeln sich die Dinge gern etwas weniger dynamisch.

          Helvetische Stille : Wer rüttelt endlich die Schweiz wach?

          Kann Wohlstand eine Bürde sein? Die Hoffnung vieler linker Schweizer Ex-Aktivisten wurde durch ein Millionen-Erbe zunichtegemacht. Wahrscheinlich ist deshalb kein Funken Aufruhr in Sicht. Nur Veränderung von außen kann helfen.
          Dennis Aogo

          Dennis Aogo : Die große Verunsicherung nach dem Sturm

          Dennis Aogo steht im Mittelpunkt einer turbulenten Fußballwoche. Was darf man als Profi oder Experte sagen? Welche Formulierungen sind korrekt, welche idiotisch? Und wie geht es weiter?