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Caterina Valente wird 90 : Geboren fürs Rampenlicht

  • -Aktualisiert am

Aufs „Traumboot der Liebe“ und dann nach Hawaii? Von Caterina Valente ließ sich das Publikum gerne überallhin mitnehmen. Bild: dpa

Sängerin, Tänzerin, Schauspielerin, Gitarristin und Unterhalterin: Caterina Valente hat gezeigt, wie man Maßstäbe setzt. Herzlichen Glückwunsch zum 90. Geburtstag!

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          Immer öfter bittet man mich, meine Verzweiflung über das Hinscheiden von den Rockstars meiner Jugend in Form diverser Nachrufe öffentlich zu machen. Der tröstliche Spruch „Too old to Rock ’n’ Roll, too young to die“ hat ausgedient, im Himmel gibt es mittlerweile mehr gute Rockbands als auf Erden.

          Nun hat meine Altersklasse ja immer damit geprahlt, dass wir musikalisch flexibler waren, als nachwachsende Generationen. Das stimmt auch! Ich habe, mit zwanzig, als DJ am frühen Abend Hardrock von Led Zeppelin aufgelegt und um Mitternacht Roland W. mit der Schnulze „Mo-hoo-hon-ja“. Ich habe die Beatles im Fernsehen zum ersten Mal in Schwarzweiß gesehen und fand es weder verwunderlich noch verheerend, dass danach der schlaksige Silvio Francesco auf seinen langen Beinen durchs Bild tanzte. Immerhin war er der Bruder von Caterina Valente.

          Wobei wir beim Thema wären. Caterina Valente wird neunzig, und ich wurde gefragt, ob ich ihr an dieser Stelle gratulieren würde. Mach’ ich mit Begeisterung, ich bin dankbar für jeden Star meiner Jugend, der noch lebt. Als „die Valente“ fünfzig wurde, war ich dreißig, und wir beide hatten miteinander wenig anzufangen gewusst. 1966 wurde unter großem Trommelwirbel die „Caterina Valente Show“ im ZDF ausgestrahlt, ich habe mich an diesem Abend wahrscheinlich diskret in mein Zimmer zurückgezogen, um das neue Beatles-Album „Revolver“ zu hören, die erste LP, die ich mir in meinem Leben gekauft hatte.

          Es war mir mit sechzehn egal, dass Caterina Valente schon mit Dean Martin im Duett gesungen hatte, und dass meine Mutter sie für eine große Künstlerin hielt, war auch nicht gerade hilfreich. Aber irgendwie wurde man zur Zeit meiner Pubertät wohl mit dem Schlager sozialisiert. Ohne es zu merken und sich heute dafür irgendwie zu schämen.

          Wenn mir einer die Textzeile „Steig in das Traumboot der Liebe“ hinwirft, dann mache ich textsicher weiter: „fahre mit mir nach Hawaii – dort auf der Insel der Schönheit, wartet das Glück auf uns zwei“. Jawoll, es gab Zeiten, da hat sich „Hawaii“ noch zwangsläufig auf „uns zwei“ gereimt. Das waren die großen Zeiten von Caterina Valente. Sie galt als Multitalent, konnte singen und tanzen und war eine deutsche Italienerin, oder eine italienische Deutsche. So viel Migranten-Hintergrund hielt man damals gerade noch aus. Und als Caterina Valente 1993 bei mir bei „Wetten, dass ..?“ zu Gast war, gratulierte mir meine Mutter mit einem trotzigen: „Endlich mal ein deutscher Star, es müssen doch nicht immer Ausländer sein!“ Dabei ist Caterina eigentlich eine Italienerin, die in erster Ehe mit einem Deutschen verheiratet war. Sie gehörte zu den Stars, mit denen ich groß wurde. Freddy Quinn, Vico Torriani und Peter Alexander waren aus dem gleichen Holz geschnitzt.

          Die bunte Welt der Sechziger war übersichtlich: In der Bar stand eine Flasche Asbach Uralt, auf dem Küchentisch stand Maggi, im Fernsehen, so man ein solches Gerät besaß, trug Peter Frankenfeld eine schwarz-weiß karierte Jacke (das Farbfernsehen war noch in Arbeit), und im Radio sang eben Caterina Valente.

          Sie tat dies in unterschiedlichen Sprachen, die sie alle perfekt beherrschte, und ich bin froh, dass ich mit diesem Anspruch an Qualität groß geworden bin. Das war der Maßstab, den ich selber ansetzte, als ich mich plötzlich und ohne darum gekämpft zu haben im Showbusiness wiederfand. Und als ich Caterina Valente bei irgendeiner Preisverleihung zum ersten Mal „in echt“ sah, wusste ich, dass ich es geschafft hatte. Wenn ich das aber meinen Söhnen erzähle, fragen sie: „Caterina wer?“ Das ist der Weg, den wir, nicht nur im Showgeschäft, alle gehen. Ich freue mich, dass ich sie kenne, und hoffe, dass sie sich noch an mich erinnert. „Bonjour Kathrin“ – und Happy Birthday zum Neunzigsten.

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