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Zukunftsblicke : Was willst du mit dem iPad, sprich!

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Eine andere Frage, die die iPad-Entwickler in den Verlagen umtreibt, ist die nach der Aktualität. Auf einem Gerät, das in der Regel immer mit dem Internet verbunden ist, könnten die Artikel einer Zeitungs-App ununterbrochen aktualisiert und den neuen Entwicklungen angepasst werden. Diese Möglichkeit wird aber gar nicht von jedem gewünscht. Die iPad-Forscher stellen fest, dass es stattdessen zum Beispiel das Bedürfnis gibt, einen Artikel, den die Leser morgens vor der Arbeit angefangen haben, abends unverändert vorfinden zu können.

Vor allem für tagesaktuelle Medien sind diese widersprüchlichen Anforderungen eine Herausforderung. Andere Medien tun sich leichter: Die iPad-App der „Zeit“ kombiniert zum Beispiel die unveränderlichen Inhalte der Wochenzeitung mit den dauernd im Fluss befindlichen Inhalten von „Zeit Online“ - beides in einer App, aber säuberlich voneinander getrennt.

Neue Erzähldimensionen

Der „Spiegel“ denkt in seiner iPad-Anwendung ganz vom gedruckten Produkt aus. Die Möglichkeit, das Magazin schon am Samstagabend lesen zu können (für immerhin 3,99 Euro), macht nach den Worten von Redakteur und Projektleiter Clemens Höges zwar das zentrale Argument für den Erwerb der Anwendung aus. Die Redaktion produziert aber zusätzlich ein gutes Dutzend Bonusinhalte - Videos oder animierte Grafiken, die parallel zur Heftproduktion entwickelt werden. Der „Spiegel“ hat dafür sogar mehrere Leute eingestellt. Für Höges, der mit seinem Kollegen Cordt Schnibben die iPad-Arbeitsgruppe leitet, liegen die großen Möglichkeiten des iPads im „Geschichtenerzählen“: wenn „Spiegel“-Reportagen etwa durch Ton-Diashows eine neue Dimension hinzugefügt wird.

Für manche Journalisten und Verlagsleute scheint ausgemacht, dass das iPad das traditionelle Produkt retten kann und wird - mit derselben Haptik, aber ohne den zunehmend anachronistischeren Vertrieb auf Papier. Erstaunlicherweise wird dabei - anders als bei Online-Medien - kaum die Gefahr der Kannibalisierung diskutiert. Für die iPad-Version einer Zeitung oder Zeitschrift lässt sich zwar leicht Geld nehmen. Aber der Preis dafür ist, die Kundenbeziehung weitgehend an die Firma Apple abzutreten, die sich ihre Dominanz des Marktes auch fürstlich bezahlen lässt. Und eine App ist viel schneller gekündigt als ein Papierabo - meist genügt ein Mausklick. „Die Loyalität zu einem physischen Produkt wie einer Zeitung ist viel größer“, warnt Wolfgang Blau. Beim iPad beziehe sich die Loyalität eher auf das Gerät.

An neuen, erweiterten Angeboten wird in vielen Redaktionen gearbeitet - in der nächsten Woche soll bei „Bild“ mit der täglichen Produktion einer eigenen iPad-Version begonnen werden, die ab Dezember verfügbar sein könnte. Und bald wird auch der iKiosk von Springer überarbeitet werden müssen: Darin lassen sich zwar die Zeitungen des Verlages im Original-Layout abonnieren, aber zu lesen ist immer nur die neueste Ausgabe. Es ist, als würde der Zeitungsbote immer die Zeitung von gestern wieder einfordern, bevor er die neue aushändigt.

Das wird, bei aller Magie, auf Dauer nicht funktionieren.

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