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Zukunft des Journalismus : Das heilige Versprechen

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Algorithmus oder Redaktion: Letztlich geht es um die Entscheidung für ein Auswahlwerkzeug. Bild: REUTERS

Im Zeitalter des Internets kann jeder alles sein, Verleger, Autor, Journalist. Jeder kann partizipieren, jeder Geld verdienen. Das ist das Mantra. Keine dieser Aussagen stimmt. Trotzdem werden sie weiter nachgeplappert. Wer profitiert eigentlich von dieser Ideologie? 

          Oh, welch leuchtendes Morgenrot wurde hier verschlafen. Jeder Mensch hatte auf seinem Schreibtisch oder in seiner Tasche Geräte, die ihm mehr Kommunikationsmöglichkeiten gaben als dem amerikanischen Präsidenten noch vor zwanzig Jahren; ein paar Euro, und man wurde zum Fernsehstudio oder zum Verlag: Alles war möglich, sagten alle, aber alles wurde verschnarcht. Fast alles blieb Traum, Idee, Absicht, Strategie, fast alles lief gegen irgendwelche Wände und verschwand im Vergessen - ein Desaster, muss man sagen, oder auch: eine Traum-Botschaft, die einem jetzt, wo man wach wird, zu denken geben sollte.

          Die Rede ist hier nicht von der Zeitungskrise. Wenn der große Pawlow-Automat öffentlicher Kommunikation nach der Insolvenz von „Frankfurter Rundschau“ und der Einstellung der „Financial Times Deutschland“ so viel von verpassten Chancen, Verschlafenheit, Krise und sogar von Untergang redet - all das nicht immer zu Unrecht, immer aber mit Rechthaberei-, dann ist es an der Zeit, einmal zu schauen, wer mit im Boot sitzt. Runden wir ab, zugunsten der Schläfer: zehn Jahre kommerzielles Internet, zehn Jahre Informationsökonomie, fünf Jahre Smartphone und mindestens zwanzig Jahre die dazugehörige Ideologie von Netzintellektuellen, die Botschaft also der Selbstermächtigung von jedem und jeder als Stimme öffentlicher Meinung und individueller Partizipation.

          Was ist zum Beispiel in Deutschland aus dieser Gründungs- und Alles-ist-jedem-möglich-Euphorie geworden? Was stimmt jetzt überhaupt an all den Thesen über eine Technologie, die alle sozialen und ökonomischen Beziehungen verändern würde - und was davon ist nichts anderes als Silicon Valleys größter Werbecoup der Weltgeschichte?

          Was die Propheten beschworen

          Achtzig Millionen Deutsche, die über Nacht ihre eigenen Verleger, Drucker, Autoren werden konnten - welches Modell hat funktioniert? Wo ist der neue Pulitzer, Augstein, Suhrkamp? Wer hat profitiert? Wo gibt es das Blogger-, Startup-, Nachrichten- oder Kommunikationsmodell, das auch nur ansatzweise funktioniert? Was ist wirklich geschehen mit der „Demokratisierung von Information“? An Versuchen hat es, wie jeder weiß, nicht gemangelt. Ihr Scheitern ist Legion. Alternativmedien, für die seinerzeit sogar Journalisten wie der Kollege Prantl ihre Urgesteinshaftigkeit zur Verfügung gestellt haben, Debattenportale, Netzzeitungen.

          Gewiss: Manche schaffen es, sich selbst und ein paar Leute unter den Bedingungen extremer Selbstausbeutung zu ernähren, und immer wieder erfährt man, wer gerade über crowd sourcing, Flattr oder Provisionen ein Projekt gestartet hat. Aber das ist nichts im Vergleich zu dem großen Versprechen, das die Propheten der neuen Zeit wieder und wieder verkündeten: Von Adnation, einem Werbevermarkter für Blogs, bis zu Flattr (wo man freiwillig zahlt, was einem gefällt) funktionieren die meisten ökonomischen Modelle selbst in Special-interest-Segmenten nach kurzer Zeit nicht einmal in den eigenen Peer Groups.

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