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Zukunft des Journalismus : Das heilige Versprechen

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Wenn man, wie Robert S. Eshelman es in der Zeitschrift „The Baffler“ getan hat, nachweist, dass der Arabische Frühling nicht von Twitter und Facebook ausgelöst wurde, sondern von sich über Jahre hinweg heimlich organisierenden Gewerkschaften, ist das, um dies gleich vorbeugend zu sagen, keine Kränkung des Smartphones oder von Facebook. Es stellt vielmehr die Frage, wie der internationale Journalismus zu solchen Verkürzungen in der Lage war - und jetzt kaum fähig scheint, über die Bemerkung des früheren ägyptischen Google-Managers Wael Ghonim nachzudenken, dass die „ägyptische Arbeiterklasse nicht über das Internet und Facebook erreicht wurde“: „Social Media spielte eine Rolle, ja. Aber dies war keine Internet-Revolution.“

Mediendebatte als Glaubenskampf

Nicholas Kristof, einer der Zentralpropheten der „New York Times“, der von Kairo bis Nordkorea überall die Demokratie durch Handys und Facebook siegen sah, ficht das nicht an. Nachdem alles schiefgegangen war, zog er seine Trumpfkarte. Viertklässler in Massachusetts hatten mit einer Online-Petition einen Hollywood-Giganten dazu gebracht, das Drehbuch eines Films zu verändern. Dies zeige, „wie neue Internet-Werkzeuge es ganz einfachen Leuten erlauben, einige der mächtigsten wirtschaftlichen und politischen Interessen zu besiegen - indem sie die Titanen mit den Online-Äquivalent des Teerens und Federns bedrohen“.

Das alles sind nur Beispiele einer Metaphysik, die die Debatte der Medien zu einem Glaubenskampf macht - statt zu einer Debatte über ökonomische Modelle, in der es um Interessen gehen müsste. Wenn Zeitungen, die nie Geld verdienten, untergehen, sagt das nichts aus über Zeitungen. Wenn Zeitungen, ob auf Papier oder im Netz, nicht mehr vermisst oder gebraucht werden, sind sie selber schuld. Aber wann wäre das je anders gewesen? Streitet das Land im einundzwanzigsten Jahrhundert ernsthaft über die Frage, ob man Dinge, die man liest, anfassen kann? Streiten wir über das Rascheln, wo doch jeder weiß, dass in einer Welt ohne Papier sofort eine Zeitung mit Papier eine Marktlücke ist?

Eine Überlebensfrage der Gesellschaft

Als wäre das die Frage. Als wäre die Frage nicht viel mehr, ob Journalisten den Hypes widerstehen oder weiterhin die Karikatur einer Branche abgeben wollen, die noch ihre eigene Krise zum Hype macht? Als gäbe es allen Ernstes einen ontologischen Unterschied zwischen - sagen wir: Bloggern und Journalisten und nicht etwa nur einen individuellen; und als säßen sie, abgesehen von denen, die von „10 Thesen über die Zukunft der Medien“ ihren Lebensunterhalt bestreiten, nicht im selben Boot. Zeitungen, das ist sicher, müssen ständige Einladungen an die Welt dieser Intelligenz sein, und es stimmt, dass dort ihr größter Lernbedarf besteht.

„Wie kann guter Journalismus überleben?“, fragt die Wochenzeitung „Die Zeit“ in ihrer neuesten Ausgabe. Das aber ist nicht die Frage. In einer Welt, in der man sich ausrechnen kann, welche Institutionen von der Atomisierung des öffentlichen Diskurses am meisten profitieren würden, wo Schattennetzwerke in einer Welt angeblicher Transparenz, wie Manuel Castells gezeigt hat, schneller wachsen als je zuvor, ist die entscheidende Frage: Wie kann eine Gesellschaft ohne guten Journalismus überleben? Jetzt, wo sich leider auch immer mehr Journalisten sich ihre sozialen Prognosen vom Silicon Valley und der Wall Street schreiben lassen, riskieren wir eine ganz einfache und ebenso gelassene Vorhersage: gar nicht.

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