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Zukunft des Journalismus : Das heilige Versprechen

  • -Aktualisiert am

„You for Sale“ nennt das Natasha Singer in der „New York Times“: „Die Wirklichkeit sieht so aus“, zitiert sie einen ihrer Gesprächspartner, „wir wissen, eine Person ist ein Depp und gibt viel Geld für nutzlose Dinge aus. Anzeigenkunden werden mehr Geld dafür ausgeben, um diese Leute ins Ziel zu nehmen, und diese Leute sind nicht erfahren genug, um zu verstehen, was mit ihnen geschieht.“ Werbealgorithmen, das hat der Computerhistoriker George Dyson gezeigt, sind heute zusammen mit den Wall-Street-Algorithmen die mächtigsten digitalen Werkzeuge der Welt. Interessanter als die Frage, was das iPhone 100 kann, ist die Frage, welchen weiteren Aspekt sozialen Verhaltens Apple damit vermarkten kann.

Geld wird auf bewährte Weise verdient

Damit ist nichts anderes gesagt, als dass die Konfliktlinie nicht zwischen „alter“ und „neuer“ Technologie, zwischen Papier und Computer verläuft, sondern zwischen Institutionen. Die Art der Generierung von Einnahmen bei Google oder Facebook hat nichts Revolutionäres, sie ist durch und durch konventionell. Sie überträgt lediglich das, was beispielsweise Tetra-Pak mit Milchtüten tut, auf die Kommunikation: für jede Kommunikation ein kleiner Preis. Man kann jetzt darüber streiten, ob alles zum Marktplatz werden soll - aber man sollte zumindest über Marktplätze und Preise reden.

Die Verlage haben nicht vom Netz gelernt? Vielleicht nicht vom Netz, wie es seinen klugen Intelligenzen vorschwebt, aber sehr wohl vom Silicon Valley. Das Schlimme ist, schaut man beispielsweise auf die Sparmaßnahmen in Regionalzeitungen, dass Selbstausbeutung jetzt überall institutionalisiert zu werden beginnt. Von Apple lernen heißt siegen lernen! Wenn das magische iPhone von chinesischen Arbeitern in einer Charles-Dickens-Welt produziert wird, kann das auch mit Gedanken geschehen. Wer glaubt denn im Ernst, dass gerade ausschließlich auf Profite und Reflexe dressierte Verlagsunternehmen nicht begeistert von der Internetökonomie lernen könnten und noch Generationen blühen und gedeihen werden?

Das Buch zum nächsten Hype

Immer wieder hat unsere Zivilisation Wünsche und Hoffnungen in Werkzeuge projiziert. Noch sind es Bücher und Zeitungen. Aber man glaube nicht, sie beschränke sich auf Verlage. Chris Anderson, der uns die Idee vom „long tail“ schenkte, hat soeben ein neues Buch über die „Neue industrielle Revolution“ geschrieben (veröffentlicht nicht im Selbstverlag, sondern von Random House), in dem der nächste Hype verkündet wird: Es klappte nicht damit, dein eigenes Medium zu sein? Dann werde dein eigenes Möbelhaus, werde Baukonzern, Küchenhersteller. Das 3-D-Printing - Drucker, die in naher Zukunft ganze Gebäude ausdrucken können - wird aus jedem Menschen einen Industriellen machen kann. „Zurück!“, erklärt Anderson, aber nicht zur Natur, sondern von der Welt der Bits zur Welt der Atome.

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