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Zukunft des Journalismus : Das heilige Versprechen

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Journalisten als Totengräber

Das sagt nichts über die Qualität dieser Projekte aus und spricht nicht gegen die teilweise eminenten intellektuellen und kreativen Potentiale, die sich dort artikulieren - der Grimme-Online-Preis ist ein Kataster hochinteressanter, aber meist ökonomisch total erfolgloser geistiger Kleinfabriken. Vielleicht weil einige glauben, jetzt helfe nur die Silberkugel und man würde erst reüssieren, wenn die anderen unter der Erde liegen, gibt es in diesem Bereich, der selber nie wirklich lebendig wurde, so viele Todeswünsche an die „traditionellen“ Medien. „Lass sie Zukunft fressen!“, hat der große amerikanische Publizist Thomas Frank diese in allen Branchen und in der Politik beliebte Strategie einmal genannt - das heißt: Behaupte von jeder neuen iPhone-Generation, dass sie die soziale Zukunft programmiert.

Niemand spielt dieses Spiel des technologischen Determinismus lieber als Journalisten. Der Kollege Wolfgang Blau etwa, Chef von „Zeit Online“, der dort niemals auch nur eine halbschwarze Zahl schrieb, aber von der Marke lebte, deren materiellen Grundlagen er permanent in Frage stellt, reist nun durch die Lande als Wiedergeburt des Neoliberalen: Der Markt hat entschieden, sagt der hochangesehene Mann, der ein praktisch weltweit funktionsunfähiges Marktmodell vertritt: Wir müssen damit leben, dass ganze Branchen und Berufe untergehen.

Rettung steht bereit: Ein auf Medienökonomie spezialisiertes Portal findet es mittlerweile nicht schlecht, wenn Konsumhersteller ihre eigenen Nachrichtenseiten produzieren: Dann kenne man wenigstens die Interessenkonflikte. Wir freuen uns schon, wenn Apple über die Arbeitsbedingungen in China berichtet oder Coca-Cola über die Segnungen der Globalisierung. Interessanter aber ist die seit Ende der neunziger Jahre gestellte Frage, wie es möglich geworden ist, einerseits politisch gegen neoliberalen Marktfetischismus zu protestieren, andererseits aber eine Praxis zu befördern, die ihn zum Naturgesetz der sozialen Physik macht.

Kevin Kellys Prognose

Tatsache ist: Die Informationsökonomie hat in ihrer heutigen Alpha-Version ausschließlich zum Entstehen industrieller Giganten geführt, zu Konzentrationsprozessen, die den Einzelnen immer häufiger zum Ausbeuter seines eigenen Ichs machen. Einzig die „kalifornische Ideologie“, die sogenannten „neuen Regeln für die neue Ökonomie“, die in allen Köpfen rumspuken und die maßstabsetzend der Heilige des Silicon Valley, Kevin Kelly, vor vielen Jahren verkündete, tarnen diese Wiederkehr des Neoliberalismus in Gestalt der Techno-Utopie.

Kellys Prognose, dass jeder von zu Hause seine 15 Megabyte Ruhm und seine sprudelnden Werbeeinahmen generieren könne, hat sich, und das ist gesetzmäßig in der neuen Ökonomie, weltweit nur für einige wenige erfüllt. Das Einzige, was einem auf Anhieb einfällt, ist das Internetprojekt der Millionärin Arianna Huffington, von AOL gekauft und dafür bekannt, dass es seinen Autoren keine Honorare zahlt.

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