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Fußball im Fernsehen : Auch Geisterspiele sind was wert

Leere Ränge, viel Platz: Am 11. März spielten Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln nur fürs Fernsehpublikum. Foto Witters Bild: WITTERS

Am 16. Mai legt die Bundesliga los, ohne Publikum im Stadion. Von der Stimmung her dürfte das eine trübe Sache sein. Für Sender, die Spiele zeigen, sieht das aber anders aus.

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          Der Sender Sky hat für seine Fußball-Abonnenten eine gute Nachricht: Die Bundesliga ist wieder da. „Welcome back“, schreibt der Abokanal und zeigt einen jubelnden Spieler in rotem Trikot, den man für Robert Lewandowski vom FC Bayern halten könnte, würde man ihn auch von vorn sehen. Am 16. Mai starten die erste und die zweite Liga in den Saisonabschluss mit „Geisterspielen“.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Den Auftakt dazu gibt es allerdings nicht nur für die zahlenden Kunden zu sehen, ohne die Sky pleiteginge, sondern für alle. „Um dazu beizutragen, dass die Spiele von allen zuhause verfolgt werden können, bieten wir den Fußball-Fans etwas ganz Besonderes“, schreibt Sky: „An den Spieltagen 26 und 27 werden die Konferenz der Bundesliga am Samstag (15.30 Uhr) und die Konferenz der 2. Bundesliga am Sonntag (13.30 Uhr) über den Sender Sky Sport News HD frei empfangbar sein.“ Einen gehörigen Schuss Pathos gibt der Sender auch noch hinzu, wenn es heißt: „Sky wird auch in dieser besonderen und für alle ungewohnten Situation seinen Kunden und allen Fans das bestmögliche TV-Erlebnis präsentieren – mit Bundesliga Live aus den Stadien der Republik. Wobei stets gilt: Die Gesundheit und Sicherheit aller Beteiligten hat allerhöchste Priorität.“

          Die Konferenzschaltung ist das Herzstück des Bundesliga-Pakets, für das Sky der Deutschen Fußball-Liga (DFL) pro Saison die stolze Summe von 876 Millionen Euro bezahlt, von der man sich fragt, ob sie sich durch die Abokunden überhaupt refinanzieren lässt. Die freilich kommen nicht billig davon: 24,99 Euro kostet die Bundesliga bei Sky zu Beginn, nach einem Jahr kostet sie 49,99 Euro pro Monat. Das ist viel Geld für ein Programm, in dem seit zwei Monaten nichts zu sehen ist.

          Auch aus diesem Grund versteht es sich nicht von selbst, dass Sky an zwei Spieltagen seine Bundesliga-Konferenz frei für alle Interessierten zeigt: Die Abonnenten zahlen für nichts, Nichtabonnenten können einmal kostenlos vorbeischauen. Womit sich für Sky die Gelegenheit ergibt, neue Kunden anzulocken und dem zuletzt gesteigerten Druck zu widerstehen, die Bundesliga müsse für alle zu sehen sein, weil die Stadien zu sind.

          Auf diesen Trend hatte sich der ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky geschickt draufgesetzt. In der „Bild am Sonntag“, die den entsprechenden Druck in Sachen „Fußball für alle“ aufzubauen trachtete, sagte er: „Wenn es einen Gesprächswunsch geben sollte von Sky, Dazn und der DFL, kann man mit uns jederzeit über Ideen reden.“ Allerdings wolle er sich nicht in die Geschäftsmodelle der Mit-Wettbewerber „reindrängen“. So macht man das: Man winkt mit dem Zaunpfahl, aber drängt sich nicht auf.

          Es wäre den Gebührenzahlern aber auch nicht ganz leicht zu vermitteln gewesen, dass sie zwangsweise noch mehr für den Fußball bezahlen sollten – die ARD hätte Sky und Dazn für die Bundesliga schließlich etwas zahlen müssen –, als sie es ohnehin schon tun. Die Rechtekosten, über die sich die öffentlich-rechtlichen Sender traditionell ausschweigen, lagen nach Branchenschätzungen bei der ARD zuletzt bei mehr als 130 Millionen Euro, beim ZDF bei rund fünfzig Millionen Euro pro Saison. Die „Sportschau“ im Ersten und das „Aktuelle Sportstudio“ im Zweiten werden also von allen Beitragszahlern längst mit einem dreistelligen Millionenbetrag bezahlt. An den 4,64 Milliarden Euro, welche der Ligaverband DFL 2016 bei der letzten Rechtevergabe für die folgenden vier Spielzeiten erlöst hat, sind also alle Zuschauer beteiligt, zwangsweise per Rundfunkbeitrag oder freiwillig mit Abonnement.

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