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Zentralratspräsident Schuster : Das ZDF und der Judenhass

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Josef Schuster ist Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland Bild: dpa

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland schreibt dem ZDF-Intendanten Thomas Bellut. Josef Schuster ist besorgt über den Umgang mit Antisemitismus. Es geht um einen konkreten Fall.

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          Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat sich in einem Brief an den ZDF-Intendanten Thomas Bellut besorgt über den Umgang des Senders mit Antisemitismus geäußert. In dem Schreiben kritisiert Schuster, dass das ZDF eine Journalistin beschäftige, die „sich durch das Verbreiten antisemitischer und israelfeindlicher Ressentiments hervorgetan“ habe. „Menschen, die Antisemitismus verbreiten, dürfen keinen Platz beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben“, fordert der Zentralratspräsident in dem Schreiben vom 13. Oktober.

          Es geht um die Autorin Feyza-Yasmin Ayhan, die für die ZDF-Comedy „Barrys Barbershop“ schreibt. Sie hatte sich im Internet wiederholt antisemitisch geäußert. So ist von ihr der Satz überliefert „Macht keine von Zionisten finanzierten Medien wie ein Großteil des Landes“ – womit sie einen Freund zitierte. Auf einer Veranstaltung der der Hamas nahestehenden Organisation „Deutsche Jugend für Palästina“ hatte Ayhan am Jerusalemtag 2015 mit Blick auf Israel gesagt, „eine Zwei-Staaten-Lösung ist nicht fair“. Und: „Das, was Israel in Palästina vernichtet hat, wird nicht sterben, und das, was Israel in Palästina errichtet hat, wird keine Sekunde leben.“ Eine Karikatur mit einem hakennasigen Juden/Israeli hatte sie ebenfalls geteilt, dies aber anschließend bedauert.

          Die Anfrage der F.A.Z. in dieser Sache hatte das ZDF – ebenso wie die Nachfrage zu der Journalistin Nemi El-Hassan – abwiegelnd behandelt. Feyza-Yasmin Ayhan sei als „Junior-Gag-Autorin“ an der Comedy „Barrys Barbershop“ beteiligt, hieß es. Die Serie habe „inhaltlich keine Anknüpfungspunkte, für die die Autorin derzeit in der Kritik steht“. Selbstverständlich sei „für antisemitische, diskriminierende und rassistische Inhalte kein Platz im Programm des ZDF“. Ayhan habe „der Produktionsfirma gegenüber zu ihren Aussagen von 2015 Stellung bezogen, sie eingeordnet und sich dabei glaubhaft von Antisemitismus distanziert“.

          Der Zentralratspräsident Schuster betonte, als „vierte Gewalt“ im Staat komme der Presse eine besondere und herausragende Aufgabe zu. „Daher tragen Journalistinnen und Journalisten Verantwortung und gelten für viele Menschen als Vorbilder, sobald sie öffentlich in Erscheinung treten.“

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